Container von exportierenden Unternehmen

Wer kann, denkt regionaler

Wirtschaft & Standort

Bei den Erdäpfeln tut man sich leicht. Die können vom heimischen Acker kommen und beim regionalen Bauernmarkt vertrieben werden. Schwierig wird es bei Autos oder Maschinen. (Reine) Regionalität ist keine Generallösung. Trotzdem hat sich in den letzten Monaten auch bei international tätigen Unternehmen die Sichtweise verändert.

Die Forderung nach mehr Regionalität ist seit Beginn der Corona-Krise immer wieder aufgepoppt. Alle Unternehmen kann man bei diesem Thema aber nie über einen Kamm scheren, denn „wir sprechen hier schließlich von 2 verschiedenen Spielwiesen für unterschiedliche Player“, sagt Robert Brugger, Leiter des Internationalisierungscenter Steiermark (ICS): „Das ist völlig abhängig von der Branche. Man kann einem international tätigen Automobilzulieferbetrieb ja kaum vorschlagen, nur Österreich zu bespielen.“

Resilienz der Lieferketten

Doch die Vorkommnisse der letzten Zeit hätten die Verletzlichkeit globaler Wertschöpfungsketten aufgezeigt, so Brugger. Und das habe die Sichtweisen von international tätigen Unternehmen in der Steiermark verändert: „Sie beschäftigen sich nun mit der so genannten Resilienz der Lieferketten. Und wo man zuvor auf einen oder zwei Zulieferer gesetzt hat, wird dies auf mehrere Zulieferer verteilt und auch deren Standorte spielen nun eine Rolle.“ Insofern würden auch diese Unternehmen „regionaler“ denken. „Wenn man regionaler in diesem Fall als ,näher an Europa‘ definiert, denn man kann die Wertschöpfungskette nicht plötzlich so knüpfen, dass nur Österreich draufsteht.“

Unter anderem im Elektronikbereich sind steirische Unternehmen etwa auf zahlreiche Vorleistungen aus China angewiesen. Ebenso würde das Just-in-time-Denken bei der Lieferung in Frage gestellt und Puffer-Lager würden wieder angelegt. „Wobei hier vielfach Vorsichtsmaßahmen getroffen werden, um etwas abfedern zu können. Ich denke nicht, dass das automatisch heißt, dass es hier langfristig gesehen zu echten Änderungen kommt“, sagt der Internationalisierungsexperte aus Graz.

Regionaler heißt „näher an Europa“

Die exportorientierten Unternehmen in der Steiermark sind laut WKO-Konjunkturumfrage optimisti-scher als jene, die nur auf den Inlandumsatz angewiesen sind. „Man kann diese beiden Bereiche natürlich nicht miteinander vergleichen“, so Brugger, „der Absatzmarkt im Ausland ist ja per definitionem schon größer. Wir verzeichnen im Export im ersten Halbjahr 2020 ein Minus von 20 Prozent, die zweite Jahreshälfte wird auch nicht viel besser aussehen. Für 2021 sind wir optimistisch, wenngleich das neue Jahr weiterhin von Corona geprägt ist.“

Die Coronakrise stellte die Regionalität wieder in den Mittelpunkt – auch bei exportierenden Unternehmen
(Credit: Ralf Gosch/Shutterstock)

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