Editorial

WERDEN WIR KONKRET

Daniela Müller-Mezin

Daniela Müller-Mezin

Einfach laufen lassen und im Bummelzug-Tempo an den schlimmsten Baustellen gesetzlich eingreifen, bevor es völlig aus dem Ruder läuft? An das Verantwortungsbewusstsein der Konsumentinnen und Konsumenten appellieren? Haben wir probiert – der Erfolg kann sich alles andere als sehen lassen. Denn wir können wohl kaum behaupten, dass ohnehin schon alles viel besser läuft als früher, nur weil heutzutage keine – beziehungsweise kaum mehr – Kühlschränke im Wald entsorgt werden.

„Way to go“, wie es so schön heißt. Und da brauchen wir schon gar nicht auf „das Plastik“ hinhauen, wenn wir uns selbst stapelweise verpackte Wurst in den Einkaufswagen legen. „Ohne konkrete Gesetze passiert zu wenig“, sind sich die Expertinnen und Experten einig und bringen interessante Ideen für Vorgaben auf unseren „Runden Tisch“. Ehrlich zu uns selbst sollen wir endlich sein, fordert hingegen Bergbauer Hannes Royer. Er nimmt die Konsumentinnen und Konsumenten ordentlich in die Verantwortung und nennt es schlichtweg „skrupellos“, wenn wir andere den Preis für unsere billigen Lebensmittel zahlen lassen.

Uns selbst und unsere Shopping-Gewohnheiten hinterfragen, wäre auch in Sachen Mode angebracht. Denn wir bestimmen, ob die Mode-Industrie uns mehrmals jährlich neue Trends verkaufen kann wie aktuell. Denn dadurch landen bei uns jährlich 7 Kilogramm an Mode als „out“ im Müll. Bestehende Probleme müssen wir dringend anpacken: Zusätzlich entstehen ohnehin laufend neue Herausforderungen, wie uns die Corona-Pandemie und die damit einhergehenden Mund-Nasen-Schutz-Müllberge gezeigt haben.

Dass selbst erneuerbare Energien wie Windkraft und Sonnenstrom Anlagen und Module brauchen, die irgendwann am Ende ihres „Produktlebens“ angekommen sind, wird oft nicht bedacht. Ihr Recycling hat Verbesserungsbedarf. Viel diskutiert wird hingegen beim Thema Plastik – und der steirische Müllberg wächst in dieser Hinsicht. Höchste Zeit, hier endlich das Ruder herumzureißen, sagen Experten. Und: An einer gesetzlichen Verordnung von „Mehrweg“ führt – bei allen wunderbaren Re-Use und Recycling-Ideen – kein Weg vorbei.

Während wir beim Kunststoff ständig mehr produzieren, geht anderes für immer verloren. Unzählige Tierarten sind bereits ausgestorben, viele andere extrem bedroht. Wie gerade die Technik zum Beispiel unseren Bienen – von denen für unsere Ökosysteme so viel abhängt – unter die Arme greifen kann, erklärt ein Grazer Forscher. Und wie wir Alternativen zu den Seltenen Erden, die heute für Smartphone und Co. noch unersetzlich sind, künftig „drucken“ könnten, klingt ebenfalls nach spannender Zukunftsmusik.

Last but not least blicken wir nach oben – zu den Dachgärten, mit denen immer öfter der Natur, die wir leider noch immer gnadenlos verbauen, ein Stück zurückgegeben wird. Und das nicht ganz selbstlos. Denn Dachbegrünungen werden in unseren Städten im Zuge der Klimaerwärmung wichtiger, vor allem wegen ihres Kühlungseffektes.

Von der Wurstverpackung bis zum Städtebau – wir werden an mehr als nur einer Stelle ansetzen müssen, damit wir die Aufgaben unserer Zukunft stemmen können. Forschungen, Ideen und Engagement dazu gibt es in vielen Bereichen. Ich freue mich, wenn Ihnen unsere aktuelle Ausgabe von ROHSTOFF wieder interessante Einblicke dazu liefern kann.

Aktiv werden müssen wir dennoch alle, ebenso wie die Gesetzgebung konkret werden muss. Eine spanende Lektüre mit unserer aktuellen ROHSTOFF-Ausgabe wünscht Ihnen

Daniela Müller-Mezin
Obfrau der Fachgruppe Entsorgungs- und Ressourcenmanagement in der Wirtschaftskammer Steiermark

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