Sujetbild für Nachhaltiges Bauen - am Bild links Christian Berg (Botanischer Garten) und Joachim Juhart (TU Graz)

Nachhaltiges Bauen: Grauer Beton birgt „grüne“ Potenziale

Forschung & Innovation

Sowohl bei Ökobeton als auch bei der Begrünung von Betonwänden mit Moos sind Grazer Forscher sehr erfolgreich. Eigentlich liegt nachhaltiges Bauen im Trend. Doch der Markt zeigt noch kein Interesse. Warum ist das so?

Beton-Fertigteile werden im Bauwesen in großer Zahl eingesetzt. Es zeigt, sie sind praktisch und das Material bewährt in seiner Festigkeit und Dauerhaftigkeit. Das Team um Joachim Juhart (Institut für Materialprüfung und Baustofftechnologie der TU Graz) hat es sich zur Aufgabe gemacht das bewährte Baumaterial nachhaltig zu verbessern. Das Ergebnis: Der an der Hochschule entwickelte „Öko2-Beton“ für nachhaltiges Bauen, kann sich sehen lassen. „Dieser Ökobeton verursacht in der Herstellung im Mittel um 20 Prozent weniger CO2-Emissionen als Standardbeton und hat einen um 10 Prozent geringeren Primärenergiebedarf. Und das bei gleichen Eigenschaften“, beschreibt Juhart.
Das Bindemittel im Beton enthält unter anderem Portlandzement, der mit großem Energieaufwand bei 1.450 Grad Celsius gebrannt wird. Dies setzt beträchtliche Mengen an CO2 frei und verursacht damit den Großteil des ökologischen Fußabdrucks von Beton. Die Grazer Forscher setzen daher auf ein optimiertes Mischverhältnis von gezielt ausgewählten Feinstoffen und Bindemitteln im Beton. Außerdem konnten sie einen Teil dieses Portlandzements durch alternative und regional verfügbare Stoffe ersetzen. „Wir haben sehr feine Gesteinsmehle als sogenannte Mikrofüller beigemischt und so die Packungsdichte der Mischung optimiert“, sagt Juhart. Umgesetzt wurde dies versuchsweise bei österreichischen Fertigteilwerken, allein es fehlt die Fortsetzung …

Es fehlt an gesetzlichen Vorgaben für Ökobeton

„Das Konzept, Betonfertigteile umweltfreundlicher herzustellen – und das zum etwa gleichen Preis wie herkömmliche Fertigteile – haben wir fix fertig in der Hand“, betont der Techniker. Es hakt allerdings bei der Nachfrage. Der Markt scheint den heimischen Ökobeton derzeit nicht zu brauchen. Gesetzliche Vorgaben oder Spezifizierungen in Ausschreibung gibt es bislang in diesem Bereich ebenfalls (noch) nicht. Mit dem Ökobeton auf den Markt zu gehen, ist derzeit keine Option. Trotz erfolgreicher Pilotversuche.
Gleiches gilt übrigens für das Projekt „Erescon“. Auch in diesem Fall verwenden die Grazer ökologisch optimierten Beton. Beispiele dafür sind Infrastruktur-Bauwerke wie Brücken, Tunnel und Unterführungen. „In der Schweiz und den Niederlanden ist man in dieser Hinsicht schon viel weiter“, bedauert Juhart.

Sujetbild für Nachhaltiges Bauen - am Bild links Christian Berg (Botanischer Garten) und Joachim Juhart (TU Graz)

Forschen an Baumaterialien für nachhaltiges Bauen: Christian Berg (Botanischer Garten) und Joachim Juhart (TU Graz).
(Credit: Lunghammer)

Ein weiterer Ansatz für nachhaltiges Bauen

Beton muss nicht grau sein: Auch damit beschäftigt sich der Materialprüfungsexperte. „Wir haben uns gefragt, unter welchen Bedingungen Moos auf Beton wächst“, meint Juhart. Gemeinsam mit Christian Berg vom Botanischen Garten will man nach Antworten suchen. 8 verschiedene Moosarten wurden dafür getestet. Sie wurden auf Betonplatten mit unterschiedlicher Dichte, Porosität und pH-Wert gesetzt. Anschließend wurde die Symbiose zwischen Material und Pflanze unter sonnigen und schattigen Bedingungen zu erforscht. Vor dem Hintergrund des Klimawandels ist das besonders spannend. Moose sind die ältesten Landpflanzen der Erde. Sie haben den positiven Effekt, Partikel aus der Luft zu filtern. Daher absorbieren sie Feinstaub besonders gut. Noch dazu haben sie bis auf ausreichend Feuchtigkeit wenige Anforderungen für ein gutes Wachstum.
„Wird die Oberfläche bearbeitet, sehen wir in dieser Begrünung von Betonflächen ein großes Potenzial”, betont Juhart. Und ergänzt: “Mit dem Einsatz von Moosen lässt sich die Luftgüte verbessern.” Aktuell ist man auf der Suche nach Partnern in der Baustoffbranche. Wichtig wäre eine gute Zusammenarbeit in der Städteplanung und die Weiterführung der Forschung.

  • Ökobeton weist 20% weniger CO2-Emission auf als Standardbeton
  • Moose zählen zu den ältesten Landpflanzen der Erde und absorbieren Feinstaub besonders gut
  • Das Team um Joachim Juhard von der TU Graz hat ein Konzept entwickelt, um Betonfertigteile umweltfreundlicher herzustellen
  • Auch hat man sich, gemeinsam mit dem Botanischen Garten Graz, damit beschäftigt, unter welchen Bedingungen Moos auf Beton wächst

 

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