Sujetbild: Salat, der aus der Erde wächst.

Wie Bodenaushub zur Komposterde wird

Leben & Gesellschaft

Mit rund 33 Millionen Tonnen pro Jahr ist der Bodenaushub die größte Abfallfraktion in Österreich. Die Wiederverwertung entspricht jedoch nur einem Drittel dieses Volumens. Daraus Komposterde zu machen, haben sich Experten der Montanuniversität Leoben und der Universität für Bodenkultur in Wien zum Ziel gesetzt.

Es ist eine Herausforderung. Private Häuslbauer und große Bauvorhaben sind davon betroffen. Es stellt sich die Frage: Was tun mit dem Aushubmaterial? Denn will man es zur Rekultivierung einsetzen, muss es den Grenzwerten für die Verwendung als Komposterde entsprechen. Der Großteil des jährlich anfallenden Aushubmaterials landet daher zurzeit noch auf Deponien.

Wie entsteht gehaltvolle Komposterde?

Dies Frage stellten sich Franz Poschacher (Poschacher Kompost in Kraubath) sowie Peter Liebhard (Universität für Bodenkultur in Wien) und Martin Wellacher (Wissenschaftler am Lehrstuhl für Abfallverwertungstechnik und Abfallwirtschaft an der Montanuniversität Leoben). Die  drei Forscher haben es sich zur Aufgabe gemacht Qualitätssicherungsmethoden zu entwickeln. Das heißt  diese Methoden sollen den Bodenaushub zu gehaltvoller Komposterde werden lassen. Außerdem ist das Projekt ReSoil von der österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG gefördert worden.

Schadstoffgehalt ist nicht gleich Schadstoffwirkung

Statt wie bisher am Schadstoffgehalt, orientiert sich die Bewertung von Bodenaushub und die daraus mögliche Verwendung als Komposterde nun vor allem an der Schadstoffwirkung. In zahlreichen Versuchen untersuchten die Forscher den Zusammenhang zwischen dem Gesamtgehalt von Schwermetallen und ihrer Toxizität. Deswegen hat das Team um Franz Poschacher einen Eignungstest zur Verwertung von Bodenaushub als Komposterde entwickelt. Zudem haben sie ein Verfahren vorgeschlagen, um geogene (von Natur aus vorkommende) von anthropogenen (durch Menschen oder Umwelteinflüsse eingebrachte) Schwermetallbelastungen zu unterscheiden.

Pflanzen besonders betroffen

„Im Zuge der Untersuchungen sind die Böden unter anderem auf Durchlässigkeit und Nährstoffgehalt geprüft worden. Während bei Pflanzen Wachstum und Erntegewicht gemessen wurden“, erklärt Wellacher. Als Zeigerpflanze des Wachstumstests erwies sich Salat. Er reagiert besonders empfindlich auf die Bodenqualität und entwickelte in geogen bedingt schwermetallreichen Böden nur Kümmerpflanzen.

Sujetbild: Salat, der aus der Erde wächst.

Salat reagiert besonders empfindlich auf die Bodenqualität
(Credit: KK)

Damit konnte der Einfluss von geogen bedingten Schwermetallen in Böden auf das Pflanzenwachstum aufgezeigt werden. Somit zeigen die Ergebnisse der chemischen Extraktion, dass sich verschiedene Schwermetalle unterschiedlich lösen und auch die Pflanzen reagieren unterschiedlich auf die verschiedenen Schwermetalle.

Gegen Bodenzerstörung ankämpfen

Im Folgenden wurde in einem zweiten Testverfahren in Großgefäßversuchen erprobt, wie Schwermetalle bei einer geschlossenen Pflanzendecke ins Grundwasser übergehen. „Mit unserer Methode wollen wir sicherstellen, dass Grenzwerte in Aushubmaterialien eingehalten werden und diese als Komposterde wiederverwendet werden können“, erläutert Wellacher. „So könnte man bei sorgsamer Anwendung den negativen Auswirkungen der Bodenzerstörung durch Versiegelung entgegenwirken. Gerade in Österreich hat die Bodenzerstörung einen besorgniserregenden Umfang angenommen.“

  • 33 Millionen Tonnen Bodenaushub landen pro Jahr auf Deponien.
  • Besonders Salatpflanzen leiden unter schlechten Bodenverhältnissen
  • Drei Forscher wollen Bodenaushub zu Komposterde machen: Franz Poschacher, Peter Liebhard und Martin Wellacher.

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