Sekundärmetalle (Autos)

Stopp, Fahrzeugkontrolle!

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80 Prozent aller abgemeldeten Autos werden nicht im Inland verwertet. Der Steiermark gehen damit wertvolle Sekundärrohstoffe verloren. Um illegale Altfahrzeug-Transporte ins Ausland zu verhindern, braucht es dringend strengere Kontrollen – für den Klimaschutz und die regionale Versorgungssicherheit.

Auf den ersten Blick ist es eine nüchterne Zahl: 214.243 Autos. Das entspricht allerdings fast einem Auto pro Einwohner von Graz. Diese schier unglaubliche Menge an Altfahrzeugen gehen in Österreich jährlich verloren. „Zwischen abgemeldeten und im Inland verwerteten Altfahrzeugen gab es 2019 ein Delta von exakt 214.243 Stück“, weiß Eva Wolf vom Sekundärrohstoffhändler Fritz Kuttin GmbH in Knittelfeld. „Das entspricht rund 80 Prozent aller abgemeldeten Autos. Was genau mit ihnen passiert, ist nicht nachvollziehbar. Der Großteil geht über illegalen Export ins Ausland und damit sind die wertvollen Ressourcen für die Steiermark verloren“, bringt es Wolf auf den Punkt.

Sekundärmetalle sind klimaschonender

„Wir haben in Österreich ein extrem hohes Verwertungslevel. Altfahrzeuge kommen zuerst in den Shredder, in dem Eisen und Metalle von Nicht-Eisenmetallen abgeschieden werden. Danach kommt noch die Post-Shreddertechnologie zum Einsatz, mit der selbst aus dem Shreddermüll noch Metall abgetrennt werden kann. Kupfer und andere Nicht-Eisenmetalle sortieren wir von Hand aus.“ Dadurch können in Österreich fast 98 Prozent der Metalle aus den Altfahrzeugen verwertet werden. Allein bei Fritz Kuttin GmbH waren das 2019 mehr als 7.000 Fahrzeuge. Wolf nennt ein Beispiel für die Wiederverwertung: „Aus dem Auto wird im besten Fall dadurch wieder ein Auto. Und bei der Produktion wird CO2 gespart, ist der Einsatz von Sekundärmetallen doch deutlich klimaschonender als der Eisenabbau.“

Rohstoffe im Inland halten

Das Rohstoffpotenzial geht allerdings derzeit zum Großteil verloren – ein Problem, das bereits seit Jahren besteht. „Die illegalen Altfahrzeug-Exporte betreffen uns vor allem in Mitteleuropa. Die Engländer haben das Problem durch den Linksverkehr weniger. Dies deshalb, weil diese Autos dann nicht so einfach in anderen Ländern genutzt werden können. Mitteleuropäische Autos werden aber sehr häufig illegal in den Osten oder nach Afrika exportiert, wo auch für die Zulassung meist weniger strenge Vorschriften gelten als hierzulande.“

Strengere Kontrollen erforderlich

Wie könnte man das Problem lösen? An den Gesetzen scheitert es nicht. Die Unterscheidung zwischen Gebraucht- und Altfahrzeugen ist klar definiert und ein Altfahrzeug muss der Besitzer sachgerecht entsorgen. „Es braucht aber dringend strengere Kontrollen an den Grenzen“, fordert Wolf. Auch Peter Reichl, Branchensprecher der Berufsgruppe Sekundärrohstoffhandel, sieht das ähnlich. „Wir müssen die illegalen Fahrzeugtransporte ins Ausland endlich stoppen. Und das funktioniert nur, wenn strenger durchgegriffen wird. Gerade jetzt ist es wichtig, die heimische Wirtschaft zu stärken und die regionale Versorgungssicherheit sicherzustellen – auch mit Sekundärrohstoffen, die wir aus den Altfahrzeugen gewinnen.“

Sekundärmetalle (Autos)

Sekundärmetalle aus Altfahrzeugen sind wichtige Rohstoffe (Credit: Lunghammer).

wko.at/stmk/maschinen


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