Kleiderkasten

Fast Fashion: „Darf es etwas langsamer sein?“

Leben & Gesellschaft

Rund 7 Kilo Mode werden in Österreich jährlich pro Kopf entsorgt. Ein „Trend“ der weltweit in allen Industriestaaten zu beobachten ist. So hat sich in den Jahren 2000 bis 2015 die Anzahl der globalen Kleidungskäufe von rund 50 auf mehr als 100 Milliarden praktisch verdoppelt. Die Dauer, wie lange bzw. wie oft ein Kleidungsstück getragen wird, sank hingegen im selben Zeitraum beträchtlich.

Diesen Trend kann auch Georg Kraxner, Geschäftsführer der FCC Textil2Use GmbH, die auf die Sammlung gebrauchter Kleidung spezialisiert ist, bestätigen. „1999 als die FCC Austria Abfall Service AG die Textile2Use GmbH übernahm, haben wir ca. 1.000 Tonnen Material gesammelt. 15 Jahre später waren es rund 10.000 Tonnen.“ Ein einträgliches Geschäft, möchte man vermuten – doch das gehört längst der Vergangenheit an. Denn in den letzten 5 Jahren ist nicht nur die Abnahme der Ware beträchtlich gesunken. Auch der Preis dafür hat sich nahezu halbiert. Wie es dazu kam? Das hat mehrere Gründe.

Vom ungetragenen Designerkleid bis zum löchrigen Leiberl

„Im Gegensatz zu manch einer Sammelorganisation mit karitativem Hintergrund sortieren wir nicht, wir sammeln nur und verkaufen diese Ware EU-weit, vornehmlich nach Italien“, so Kraxner. Dort wird die Kleidung sortiert und wiederum weitervermarktet. An die 1.000 Sortierunternehmen für Altkleider gibt es übrigens rund um den Erdball. Wobei sich die Zusammensetzung der Ware in den letzten Jahren drastisch verschlechtert hat, betont Kraxner: „Der Prozentsatz an Top-Kleidungsstücken, also praktisch neuwertiger Markenware, über die sich das ganze System finanziert, nimmt stetig ab. Wohingegen der Anteil an minderwertigster Kleidung, die höchstens noch zu Putzlappen oder zur thermischen Verwertung taugt, in den letzten 7 bis 10 Jahren von rund 4 auf etwa 15 Prozent gestiegen ist.“

Zita Kraxner

Fast Fashion taugt nicht einmal zum Putzlappen

Die Ursachen darin sieht Kraxner vor allem in der sogenannten Fast Fashion oder auch „Einwegkleidung“, wie er sie nennt. Wurden vor 20 Jahren nur 2 Kollektionen pro Jahr produziert, waren es ein Jahrzehnt später bereits 5. In Extremfällen können es heute bis zu 24 Kollektionen sein. Zudem war Mode noch nie so günstig wie heute. Gemessen an unseren Haushaltsausgaben haben wir in den letzten 5 Jahren deutlich weniger für Bekleidung und Schuhe ausgegeben, obwohl wir wesentlich mehr Kleidungsstücke eingekauft haben. Dass die Qualität da nicht top sein kann, liegt auf der Hand. Sehr oft ist sie so schlecht, dass viele Kleidungsstücke – sei es aufgrund ihrer Material-Zusammensetzung, sei es aufgrund ihrer Verarbeitung – nach ihrer Ausmusterung nicht einmal mehr als Putzlappen (!) oder Füllmaterialien verwertbar sind, hält Kraxner fest.

Fast Fashion findet sich in vielen Kleiderschränken wieder

(Credit: Lunghammer)

Wohin mit all der „Altkleidung“?

Darüber hinaus setzten Handelsembargos seitens Russlands – dem weltweit größten Abnehmer sogenannter „Winterware“ dem Altkleidermarkt, aber vor allem der Umwelt enorm zu. Gleiches gilt für die mittlerweile bis Afrika reichende „Überflutung“ mit asiatischer neuer Billigkleidung, die den Bedarf an „Sommerware“ auf diesem Kontinent drastisch senkt. Doch wohin mit all den alten Kleidungsstücken, wenn sie niemand mehr haben will? Mit Verwertungsquoten will man in der EU dieser enormen Verschwendung an Ressourcen entgegentreten. Für die zu den Siedlungsabfällen zählenden „Altkleider“ ist bis 2025 eine Recyclingquote von 65 Prozent vorgeschrieben. Ein hehres Ziel, dessen Erreichbarkeit aus derzeitiger Sicht unmöglich erscheint.

Zurück zu „weniger ist mehr“

Ein Rückbesinnen auf Werte wie Qualität vor Quantität, bei der es sich auch wieder lohnt, ein geliebtes Stück reparieren zu lassen, wäre also dringend notwendig. Letztlich können wir unsere „Erste-Welt-Probleme“ nicht endlos auf Dritte-Welt-Länder abladen. Und bei einem Blick in unseren Kleiderkasten können wir die Frage „Darf‘s ein bisserl langsamer sein?“ ganz bestimmt mit einem entspannten „Ja“ beantworten.

  • Rund 7 Kilo Mode werden in Österreich jährlich pro Kopf entsorgt.
  • Der Anteil an minderwertigster Kleidung, die höchstens noch zu Putzlappen taugt, ist in den letzten 7 bis 10 Jahren von rund 4 auf etwa 15 Prozent gestiegen.
  • Wurden vor 20 Jahren nur 2 Kollektionen pro Jahr produziert, sind es heutzutage im Extremfall bis zu 24 Kollektionen pro Jahr.

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