Design-Entwurf für mehr Nachhaltigkeit in der Küche

Die Küchen-Kuh ist Design für die Zukunft

Wirtschaft & Standort

Design zeigt uns, wie wir die Richtungsänderung auf den Pfad der Nachhaltigkeit schaffen. Konkrete und spekulative Designprojekte von der Küche bis zur Toilette, alle aus dem Wiener Designstudio EOOS, lassen uns staunen – darüber was möglich ist oder was im Alltag unserer Zukunft machbar sein könnte.

Würde man die in einer Küche anfallenden Lebensmittelabfälle zerkleinern und in einem Fermenter – dem gläsernen „Magen“ der Küchen-Kuh – daraus Biogas erzeugen, könnte diese wieder als Energie zum Kochen verwendet werden. 3 Kilogramm Bioabfall ermöglichen den Betrieb eines starken Gasbrenners für eine Stunde. Das ist das Kreislauf-Prinzip der Küchen-Kuh, eines spekulativen Designprojektes des Wiener Studios EOOS, das kürzlich im Rahmen einer Ausstellung vorgestellt wurde.

Nachhaltigkeit in der Küche

Und es bleibt nicht nur bei Utopien: Der ebenfalls in der Ausstellung präsentierte Kühlschrank „Greenfreeze 2“ besteht aus Holz und Schafwolle und funktioniert tatsächlich. „1991 baute ein ostdeutsches Unternehmen mit Unterstützung der Umweltorganisation Greenpeace 10 Prototypen eines FCKW- und FKW-freien Kühlschranks. Es entstand eine Dynamik, in deren Folge auch die großen Hersteller nicht nur ihre Isoliermittel umstellten, sondern auch klimaschonende Kühlmittel verwendeten“, erklärt Harald Gründl von EOOS. Und die Dynamik in Sachen Nachhaltigkeit geht weiter: Der Greenfreeze 2 (2019) stellt nun weitere, ökologische Verbesserungen vor: Das Kühlaggregat ist modular und einfach zu tauschen oder durch eine neuere Technologie zu ersetzen.

Eine Umstellung der Wirtschaft auf nachwachsende Rohstoffe (Bioökonomie) wird durch die Verwendung von Holz und Schafwolle als Bauelemente für den Korpus vorgezeigt. Die gezeigte Variante besteht aus 3 Elementen für frische Lebensmittel, länger haltbare Lebensmittel und einer Box für Getränke, die durch eine Klimaschleuse verbunden sind. So können nicht verwendete Elemente energiesparend getrennt werden. Greenfreeze 2 passt sich damit auch den veränderten Lebensbedingungen an. „Ein Patent dafür gibt es nicht, eigentlich sollte doch jeder Kühlschrank kreislauffähig sein“, findet Gründl.

Design-Entwurf für mehr Nachhaltigkeit in der Küche

Eine wiederkäuende Küchen-Kuh (rechts am Bild mit dem schwarzen „Magen“) erzeugt Biogas und macht den Haushalt autark.
(Credit: Lux)

Anreiz zum Umdenken – überzeugende Produkte

Ein weiteres Beispiel ist das Elektroleichtfahrzeug „SOV“. Dieses kann mit einer „Open Design“-Lizenz in kleinen, lokalen Werkstätten gebaut, verbessert und repariert werden. Damit verbraucht es gerade mal ein Zehntel der Ressourcen eines e-Golfs. Auch ein Solardach und eine öffentliche (Strom-)Ladestation zählen zu den weiteren Designprojekten mit jeder Menge nachhaltigem Zukunftspotenzial, die man bei EOOS erdacht hat. „Der Kühlschrank, die Küchen-Kuh und das Fahrzeug könnten sehr zeitnah umgesetzt werden. Sie dienen jedenfalls als Anreiz zum Umdenken aber auch zum Andersmachen, nämlich jetzt! Wir wollen mit der Ausstellung zeigen, dass der Wandel jetzt passieren kann und muss“, appelliert der Wiener Designer, der vor allem von den überragend positiven Reaktionen auf die Küchen-Kuh überrascht war. „Das kommt vielleicht daher, dass hier ein natürlicher Kreislauf in kleinem Maßstab anschaulich gemacht wurde und die Funktionalität ja auch durchaus nachvollziehbar ist. Insgesamt kamen die Ideen gut an. Wir haben gemerkt, dass die Nutzerinnen und Nutzer hier schon weiter sind als viele Produzenten, die noch immer keine überzeugenden Produkte im Sinne der Kreislaufwirtschaft anbieten. Es ist ermunternd zu sehen, dass sich die Menschen einen Kühlschrank wünschen, der leicht reparierbar ist und dessen Kühlaggregat vielleicht auch als Service angeboten wird.“

Mobilität ohne Statussymbol …

Widerstände abzubauen gilt es wohl stärker beim vorgestellten Mobilitätskonzept: Ästhetisch ist das Elektroleichtfahrzeug „SOV“ so konzipiert, dass es den gängigen Erwartungen eines Statusobjektes nicht entspricht. „Da braucht es offenbar noch etwas Zeit, bis wir uns von der gängigen Vorstellung des privaten Autos lösen“, sagt Harald Gründl.

Dass das Team von EOOS bereit ist, weiter zu denken, zeigen auch ihre Entwicklungen und Patente aus den letzten Jahren rund um das Thema Toiletten. An ihnen wird eindrucksvoll sichtbar, welchen Beitrag Design in sozialer Sicht und ebenso in Hinblick auf einen notwendigen Turnaround des Klimawandels leisten kann. Bereits vor 10 Jahren wurden die Designer mit dem Wunsch nach einer Urin-Separations-Toilette konfrontiert, bei der es um die Abtrennung des Urins in der Kloschüssel geht. Schließlich nehmen wir über die Nahrung Nährstoffe auf und scheiden einen Großteil davon wieder aus. Was wäre also logischer, als diese wieder in die Landwirtschaft zurückzubringen? Gleichzeitig ist die Überdüngung der Küstengewässer ein reales Problem, das in mehr als 50 Flussmündungen in Europa auftritt.

Nachhaltigkeit für Abwasserlösungen

„Im Einzugsgebiet der Seine in Frankreich gibt es jetzt hohe Förderungen für alternative Abwassersysteme. Ich denke, dass wir hier schon bald erste größere Pilotprojekte sehen werden. Aber auch in Skandinavien gibt es etablierte Abwasserlösungen, die bisher mit wesentlich schlechteren Urin-Separations-Toiletten betrieben wurden“, so Gründl. Dort hofft man bald auf einen größeren Markt für die Technologie. Ebenso in den Entwicklungsländern, wo die Abwasserlösung in vielen Gebieten sowieso neu gedacht und umgesetzt werden muss. „Entscheidend ist aber nicht nur die Toilette, sondern die Gesamtlösung. Es gibt zahlreiche Entwicklungen, aus Urin direkt hochwertigen Dünger herzustellen. Die Schweizer Behörden haben für den Urindünger des Unternehmens Eawag eine Lizenz ausgestellt, die es ermöglicht, essbare Pflanzen damit zu düngen. Es braucht ein Gesamtsystem, dann geht der Wandel aber sicher schnell, vor allem wenn die Politik diese revolutionäre Abwasserlösung fördert“, betont der Experte. In Entwicklungsländern ist die schnelle Verbreitung wahrscheinlicher, da dort viel neu gebaut werden muss. „Aber auch Stadterweiterungsgebiete, wie etwa in Paris, könnten so umweltfreundlich errichtet werden“, bringt es Gründl auf den Punkt. Lösungen für mehr Nachhaltigkeit kennen keine Grenzen.

  • Das Wiener Designstudio EOOS zeigt mit konkreten Designobjekten, wie man mehr Nachhaltigkeit in den Alltag bringen kann.
  • Mehr dazu: www.eoos.com

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