Portraits der Personen, die Statements zum Thema Wertewandel abgegeben haben

Werte, Wettbewerb und Wissen

Wirtschaft & Standort

Industrie, Online- und Schmuckhandel, Tourismus, Bibliothekswesen – der Werte- und Kostenwandel spiegelt sich in allen Bereichen wider. Steirische Unternehmer und Institutionsvertreter im Interview.

Was ist für Sie in Ihrem Unternehmen bzw. Ihrer Institution wertvoll?

Herbert Brunner, Antemo Anlagen & Teilefertigung: „Um global konkurrenzfähig zu agieren, ist für Antemo das Know-how unserer Mitarbeiter entscheidend. Sie sind es, die international den Unterschied ausmachen – und mit Innovationskraft und guten Ideen Innenraumkomponenten für Luftfahrtunternehmen weltweit entwickeln und produzieren.“

Roland Fink, niceshops: „Das Wertvollste in unserem Unternehmen sind die Menschen, die darin arbeiten. Die Arbeit selbst können wir nicht ändern, aber wir können die Rahmenbedingungen so gestalten, dass sich alle wohlfühlen.“

Manfred Grubbauer, Vertriebsleiter FCC Austria Abfall Service: „Als Dienstleistungsunternehmen steht bei uns Service und Qualität an vorderster Stelle. Um die hohe Qualität unserer Services aufrecht zu erhalten, sind erfahrene Mitarbeiter für uns sehr wertvoll. Mithilfe eines umfassenden Qualitätsmanagementsystems sichern wir nicht nur die Abläufe des Unternehmens, sondern fördern nachhaltig die Kundenzufriedenheit. Sehr wertvoll sind für uns auch langjährige Kundenbeziehungen, die auf Partnerschaft, Transparenz und Verlässlichkeit basieren. Wir fühlen uns den Auftraggebern und der Umwelt verpflichtet – Ökonomie und Ökologie stellen deshalb für uns eine untrennbare Einheit dar.“

Katharina Kocher-Lichem, Landesbibliothek: „Das Wertvolle einer Bibliothek ist das in den gesammelten Medien des Hauses gespeicherte Wissen. Gespeichert ist das Wissen ganz klassisch in Büchern aber auch in Handgeschriebenem wie Briefen, die in Nachlässen bewahrt werden. Aufgabe der Landesbibliothek ist es, dieses Wissen zu sammeln, zu bewahren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.“

Karin Leeb, Hotel Hochschober: „Gelingende Beziehungen und Begegnungen auf Augenhöhe, zwischen Gästen, Mitarbeitern, der Eigentümerfamilie und allen, die dem Hotel verbunden sind.“

Ewald-Marco Münzer, Münzer Bioindustrie: Für uns ist jeder Stoff, mit dem wir zu tun haben, wertvoll. Unser Unternehmensmotto lautet „Vom Abfall zur Energie“. Wir suchen also die versteckten Werte und machen diese nutzbar. Nichts ist wertlos, in allem steckt etwas Wertvolles.

Portraits der Personen, die Statements zum Thema Wertewandel abgegeben haben

Ihre Meinung zum Thema Wertewandel haben uns verraten: Herbert Brunner, Katharina Kocher-Lichem, Manfred Grubbauer, Karin Leeb, Ewald-Marco Münzer, Hans Schullin, Sarah Reindl und Verena Kassar, Roland Fink (v.l., Credits: Münzer, Werner Krug, Furgler/Grubbauer, Fischer, Traussnig, Erschen, Antemo).

Sarah Reindl und Verena Kassar, das Gramm: „Das Wertvollste an unserem Unternehmen ‚das Gramm‘ sind die Menschen, die es tragen. Die Mitarbeiterinnen, die voller Motivation im Geschäft stehen und Kundinnen und Kunden beratend zur Seite stehen, sie mit einem Lächeln begrüßen und auf Augenhöhe begegnen. Möglich ist das durch einen wertschätzenden Umgang untereinander im Team, wo alle wissen, dass sie sich aufeinander verlassen können und füreinander da sind. Unsere Kundinnen und Kunden, die uns die Dankbarkeit tagein, tagaus zeigen und uns dadurch Wertschätzung und Respekt entgegenbringen, die wir nur zu gerne erwidern. Und natürlich unsere Lieferantinnen und Lieferanten, die uns mit den besten Produkten in höchster Qualität beliefern und so verpackungsfrei einkaufen GENUSSVOLL möglich machen.“

Hans Schullin, Juwelier: „Als Juwelier und Schmuckdesigner bin ich tagtäglich von wertvollen Schmuckstücken und Uhren umgeben. Das wertvollste Gut für unser Unternehmen sehe ich jedoch darin, dass meine Vorfahren unser Familienunternehmen über 5 Generationen hinweg entwickelt und das handwerkliche Wissen, gepaart mit der Leidenschaft für außergewöhnliche Designs, in unserem Unternehmen weitergegeben haben. Den höchsten materiellen Wert haben aber unsere Schmuckstücke aus Diamanten und 18-karätigem Gold sowie unsere Edelstahl- und Golduhren. Sie sind eine beliebte Wertanlage, da man sie im Fall der Fälle überallhin mitnehmen kann. Auch die legendäre Rothschild’sche Regel für Wertanlagen bestätigt das: man müsse Geld zu je einem Drittel in Barem, einem Drittel in Immobilien und einem Drittel in Gold und Diamanten anlegen.“

Hat sich dies in den letzten Jahren verändert? Was wurde wertlos?

Herbert Brunner: „Es wird immer wichtiger, neue Wege zu gehen und sich individuell auf komplexe Aufgaben einzulassen. Erfahrung ist dabei entscheidend, der Erfolg von gestern allerdings nicht mehr relevant – es geht darum, jeden Tag die bestmögliche Lösung für Kunden umzusetzen.“

Manfred Grubbauer: „Ja, mit Sicherheit. Die Kundenforderungen in Richtung Servicegrad, Qualität und insbesondere persönlicher und individueller Beratung nehmen ständig zu. Wertlos hingegen wurden Mailings oder Massenaussendungen.“

Katharina Kocher-Lichem: „Die Grundidee der Landesbibliothek ‚Sammeln, Bewahren sowie Such- und Findbar-Machen‘ hat sich seit der Gründung 1811 durch Erzherzog Johann nicht geändert – in dieser Institution wird nichts wertlos. Was sich verändert, sind die Trägermedien des Wissens, so ist es heute selbstverständlich, auch ein digitales Angebot für die Nutzerinnen und Nutzer zur Verfügung zu stellen.“

Karin Leeb, Hotel Hochschober: „Für uns als Gastgeber, die wir Wertvolles bieten – nämlich Urlaubszeit, Freiraum, Inspiration, hochwertige regionale Lebensmittel und eine hohe Begegungsqualität – hat sich dieser Aspekt in den letzten Jahren nicht verändert. Ganz im Gegenteil: Alle genannten Punkte gewinnen an Wert. ‚Wertvolle‘ Lebensmittel waren zum Beispiel vor 10 Jahren noch gar kein Thema. Heute beziehen wir mehr als die Hälfte aller Lebensmittel inkl. Getränke aus der näheren Umgebung, primär aus Kärnten und der Steiermark.“

Ewald-Marco Münzer: „Jemand, der einfache Lösungen verspricht, liefert oft nur billige Umsetzung. Das hat sich massiv verändert, Lösungen wurden komplexer und erfordern mehr Aufwand, nicht nur finanziell. Loch auf – Problem rein – Loch zu: Diese Mentalität gibt es Gott sei Dank nicht mehr.“

Hans Schullin: „Mit den heutigen Möglichkeiten ist es wenig überraschend, dass Diamanten mittlerweile auch künstlich hergestellt werden. Diese Entwicklung schlug anfangs hohe Wellen, sowohl bei Diamantliebhabern als auch in der Schmuckbranche, da die Wertentwicklung dieser synthetischen Diamanten ungewiss war. Heute kosten synthetische Diamanten nur einen Bruchteil des echten Naturprodukts und folgen damit einer Entwicklung, die es nach 1900 schon einmal beim Auftreten synthetischer Rubine und Saphire gab. Der Wert echter Diamanten bleibt aber unbestritten.“

Was lassen Sie sich die Nachhaltigkeit kosten?

Herbert Brunner: „Die hohe Wichtigkeit von Nachhaltigkeit spiegelt sich bei Antemo in unserem täglichen Tun wider. Konkret beginnt das mit dem Einsatz von Photovoltaikanlagen und klimaschonenden Ressourcen beim Bau unseres neuen Kompetenzzentrums für Luftfahrt in St. Peter ob Judenburg – und geht bis zum fortlaufenden, nachhaltigen Energie-Management unseres Betriebs.“

Roland Fink: „Nichts, weil Nachhaltigkeit nichts kostet, sondern nur Vorteile für die Menschen, für die Umwelt und für die Gesellschaft bringt. Sie ist kein Kostenfaktor, sondern ein immer wichtiger werdender Wettbewerbsvorteil, der ausschließlich positive Nebenerscheinungen mit sich bringt. Deshalb ist Nachhaltigkeit schon immer ein integraler Bestandteil unserer Firmenkultur und wird es auch in Zukunft bleiben.“

Manfred Grubbauer: „Die gesamte Entsorgungswirtschaft entwickelt sich bereits seit Jahren hin zur Ressourcenwirtschaft. Die verstärkte getrennte Sammlung von Abfällen bis hin zur Aufbereitung zu Sekundärrohstoffen für die Industrie, entsprechen dem Gedanken der Nachhaltigkeit. Ohne die erforderlichen Investitionen werden die hohen EU-Vorgaben hinsichtlich Sammel- und Recyclingquoten bis 2025 nicht schaffbar sein.“

Katharina Kocher-Lichem: „Nachhaltigkeit bedeutet an der Landesbibliothek unter anderem, den alten Bestand konservatorisch gut zu bewahren, ihn aber auch digital zugänglich zu machen. Dazu benötigt es Manpower und Infrastruktur. Manpower, das sind gut ausgebildete Fachkräfte wie Buchbinder- und Restauratoren aber auch ein gut ausgebildetes Team, das die einzigartigen Schätze des Hauses digital aufbereitet, damit die Originale geschont in den Magazinen ruhen können. Infrastruktur, das sind top ausgestattete Magazinsräumlichkeiten und Werkstätten sowie leistungsstarke Scanner und Computer. Kurz: Das Land Steiermark lässt sich die Nachhaltigkeit der Landesbibliothek dankenswerterweise viel kosten.“

Karin Leeb: „Viel, zum einen monetär. Zum anderen wenden wir viel Nachdenkzeit und Umsetzungsenergie auf für eine ständige Verbesserung unserer Maßnahmen rund um Nachhaltigkeit, für Mitarbeiterschulungen sowie für die Auswahl passender Lieferanten und Handwerker.“

Ewald-Marco Münzer: „Nachhaltigkeit ist das zentrale Element unserer Geschäftstätigkeit. Nachhaltigkeit ist also für uns keine Frage von Einmalaktionen oder Sonderposten, sondern zieht sich durch die gesamte Wertschöpfungskette – und das zertifiziert.“

Sarah Reindl und Verena Kassar: „Nachhaltigkeit ist das zentrale Thema in unserem Unternehmen. Wir versuchen, Werte nicht nur monetär darzustellen. Wir vertreten die Ansicht, dass Nachhaltigkeit nicht teurer sein soll als ‚Nicht-Nachhaltigkeit‘ und gehen unternehmerisch als auch privat mit gutem Beispiel voran.“

Hans Schullin: „Schullin steht für verantwortungsvollen und ressourcenschonenden Umgang mit der Natur. Deswegen wird bei Schullin jeder Edelstein genau auf seine Herkunft und Qualität geprüft. Zur Verarbeitung der Schmuckstücke wird ausschließlich Fair-Trade-Gold verwendet. Alle verwendeten Diamanten sind durch den ‚Kimberley Prozess‘ geprüft, welcher nur Diamanten, die nicht aus Krisenregionen stammen, zertifiziert.“

Ihre persönliche Meinung zu den Themen Wertewandel und Nachhaltigkeit im Unternehmen haben uns verraten: