Luftaufnahme Sol-Innovation mit Graz im Hintergrund

We rock the world!

Wirtschaft & Standort

Sie machen aus Traktorabgasen Nährstoffe, sortieren kleinste Glaskörner aus und bauen die weltweit größte solare Fernwärme-Anlage. Was macht die „grünen“ Weltmarktführer so erfolgreich? Wie passen globale Akteure zu regionalen Kreisläufen? Ein Spotlight auf das Green Tech Valley der Welt.

Es sei ein Journalist aus Atlanta gewesen, der den Begriff „Green Tech Valley“ 2010 erstmals in den Mund genommen hat. Denn die „grüne Innovationskraft“ sei in der Steiermark hervorragend. Die Anspielung auf das Silicon Valley in den USA sei überhaupt nicht weit hergeholt, meint Green-Tech-Cluster-Geschäftsführer Bernhard Puttinger, von dem die Anekdote auch stammt. „Dass mittlerweile 3 internationale Rankings die Steiermark als Nummer 1 sehen, ist erfreulich, aber vor allem ein Ansporn für alle Akteure, um weiterhin zukunfts- und richtungsweisend zu bleiben“, so Puttinger.

Innovation: Vom Traktor-Abgas zum Dünger

Tatsächlich ist die Region Heimat für herausragende Unternehmen auf dem Gebiet der Energie- und Umwelttechnik. Ein Beispiel: Die innovativen Sämaschinen des Unternehmens Technik-Plus schaffen es, Traktorabgase zu recyceln und damit den Boden zu düngen, trockene Böden in Afrika ertragreicher zu machen oder auch Gülle ohne Gestank einzuarbeiten. „Durch das Einblasen der Traktor-Abgase in den Ackerboden entwickeln sich Mikroorganismen. Diese bauen chemische Rückstände bzw. giftige Pilze ab, Phosphor und Spurenelemente sind dadurch für die Pflanzen besser verfügbar“, beschreibt Geschäftsführer Josef Großauer eines der genannten Verfahren, die die Firma Technik-Plus zu einem globalen Marktführer gemacht haben. Nachhaltigkeit, grüne Wertschöpfung und regionale Kreisläufe gehen für Großauer Hand in Hand: „Wir leben davon. Unser Produktprogramm ist auf Optimierung in der landwirtschaftlichen Produktion ausgerichtet. Es geht darum, die Umweltbelastung zu vermindern und gleichzeitig den Ertrag, aber auch die Einkommen der Bevölkerung zu steigern und obendrein deren Gesundheit zu verbessern.“

Die Sämaschinen von Technik-Plus helfen dabei, Traktorabgase zu recyceln und damit den Boden zu düngen.
(Credit: Technik-Plus)

Recycling: Kein Splitter ist zu klein

Nachhaltigkeit heißt aber auch Förderung regionaler Kreisläufe. Es drängt sich die Frage auf, ob starke internationale Präsenz kein Widerspruch dazu ist. Die Antwort kommt von einem anderen globalen Technologieführer aus der Steiermark. „Das ist absolut kein Widerspruch, denn mit Technologie aus der Steiermark sind auch andere Länder in der Lage, ihre Ressourcen besser zu nutzen und Wertstoffe sinnvoll und nachhaltig aufzubereiten“, sagt Karl Grabner von Binder+Co. Er sieht die Entwicklungen der letzten Jahre positiv: „Es ist heute nicht mehr notwendig, Nachhaltigkeit und grüne Wertschöpfung zu verkaufen, sondern schon Voraussetzung für den Erfolg eines Unternehmens. Wir alle wollen unseren Kindern eine lebenswerte Natur hinterlassen!“ Ein Credo, das zur Tätigkeit des Gleisdorfer Unternehmens passt. Es war und ist maßgeblicher Wegbereiter in der Aufbereitung von Altglas. Das Sortiersystem CLARITY war das erste 3-Wege-Sortiersystem, das Glas nicht nur von Fremdstoffen befreien, sondern gleichzeitig auch nach Farben sortieren konnte. Kürzlich hat Binder+Co die weltweit erste Sortiermaschine präsentiert, die sogar winzige Glaskörner mit 1 Millimeter Größe sortieren kann.

kleine Glassplitter auf Maschine (Innovation)

Winzige Glaskörner mit 1 Millimeter Größe kann eine Innovation von Binder+Co sortieren.
(Credit: Binder+Co)

Sonnige Aussichten dank einer Innovation aus Graz

Last but not least ein Superlativ aus Graz: Hier entsteht unter dem Namen „Big Solar“ die größte solare Fernwärme-Anlage der Welt. Diese wird von der Energie Steiermark mit dänischer Beteiligung und 2 steirischen Partnern – Christof Industries und S.O.L.I.D. – für rund 100 Millionen Euro errichtet.

Die Zahlen sind imposant: 220.000 m² Kollektorfläche werden gemeinsam mit dem 900.000 m³ großen Speicher 15 Prozent des jährlichen Fernwärmeverbrauchs der Stadt Graz abdecken. Der Baustart soll 2019 erfolgen.

Neben diesen 3 Beispielen gibt es in der Steiermark noch unzählige weitere, die die Vorreiterrolle bestätigen. Die rund 600 Mitglieder der Fachgruppe Entsorgungs- und Ressourcenmanagement messen nachhaltigen und zukunftsträchtigen Technologien einen großen Wert bei und forschen an den Recyclingtechnologien der Zukunft. Damit bleibt die Steiermark auch in Zukunft in vielen Bereichen „grüner Weltmarktführer“.

Luftaufnahme Sol-Innovation mit Graz im Hintergrund

Die größte solare Fernwärme-Anlage der Welt soll bald in Graz stehen.
(Credit: SOLID)