Detailaufnahme Design-Baurestmassen „WasteBasedBricks“

Von Nougat bis Wasabi – so stylisch können Baurestmassen sein

Leben & Gesellschaft

25 Millionen Tonnen an Baurestmassen fallen jährlich alleine in Holland an – im Sinne des „Urban Mining“ eine Rohstoffmine. Ward Massa und Tom van Soest sahen außerdem das Design-Potenzial. Mittlerweile verarbeiten sie Bauschutt zu stylishen Klinkern mit Namen wie Aubergine, Nougat, Truffle oder Wasabi.

Wiederverwertung schön und gut – doch Bauschutt nur fein zu zermahlen und wieder zu Beton oder gar nur zu Füllmaterial zu verarbeiten, war Massa und van Soest, Gründer der Firma StoneCycling, zu wenig. Sie wollten diesem reichlich vorhandenen Sekundärrohstoff einen zusätzlichen Wert geben, indem sie ihn zu hoch qualitativen und einmaligen Baumaterialien upcycelten. Die Farben ihrer „WasteBasedBricks“ chanchieren – je nach Mischung des Rohmaterials – zwischen hellem Nougat und „Blackpepper“ und sehen tatsächlich zum Anbeißen aus. Vor 2 Jahren wurde das erste große Projekt fertiggestellt – ein modernes, architektonisch ansprechendes Wohnhaus in Rotterdam, gebaut mit Baumaterialien aus 15 Tonnen Bauschutt. Mittlerweile steigt das Interesse an diesem Design-Produkt aus Abfall bei Architekten nicht nur in ihrem Heimatland Holland wie, aktuelle Projekte im Ausland belegen.

Detailaufnahme Design-Baurestmassen „WasteBasedBricks“

Aus Baurestmassen werden „WasteBasedBricks“: Kreatives Upcycling mit Mehrwert aus Holland.
(Credit: Stone Cycling)

Recycling von Baurestmassen

Im kleinen Umfang ein spannendes Design-Highlight, doch in der Steiermark wird natürlich auch im (herkömmlichen) großen Stil auf Wiederverwertung gesetzt. Hier fallen jährlich an die 1.200.000 Tonnen Baurestmassen an, die zu einem beträchtlichen Prozentsatz recycelt werden. Ähnlich wie beim Kommunalabfall, ist auch hier die möglichst gewissenhafte Trennung die Basis für eine lohnende Wiederverwendung. „Beton, Asphalt und Ziegel werden großteils bereits sortenrein von der Baustelle an die Recyclingplätze und Baurestmassendeponien angeliefert“, erläutert Herwig Glössl, Geschäftsführer der Firma Rohrdorfer Umwelttechnik, „daher werden diese sortenreinen Materialien schon heute zu 100 Prozent recycelt.“ Die Deponiestandorte fungieren dabei teilweise als Zwischenlager. Hier werden die Baurestmassen auf eigenen Anlagenkompartimenten gesammelt und anschließend für die Weiterverarbeitung aufbereitet. Die daraus entstehenden Produkte dienen zum Beispiel bei der Zementproduktion als Alternativrohstoff zu dem natürlichen Vorkommen oder als Recyclinggranulat bei der Herstellung von Transportbeton bzw. Asphaltbelägen. Die Nachfrage nach diesen Sekundärrohstoffen ist erfreulich, mit deren Einsatz können wertvolle primäre Rohstoffe geschont und langfristig abgesichert werden.

Bereits bei der Produktion ansetzen

Problematischer sieht es mit dem Rest an Baustoffen aus, die bei einem Abbruch anfallen. „Rund 35 Prozent und mehr der angelieferten Baurestmassen bestehen aus ‚Verbundstoffen‘ und teils schadstoffbelasteten Baumaterialien“, so Glössl, „die sich für ein zielgerechtes Recycling nicht eignen.“ Hier könnte – durch entsprechende Verordnungen im Bereich der Baustoffherstellung – ein wesentlich höherer Teil dem Recycling zugeführt werden. Als positives Beispiel sei die Autoindustrie genannt, die in manchen Bereichen Recyclingquoten von über 90 Prozent aufweisen kann.

Baukarussell – re-use statt re-cycling

Einen anderen Ansatz zu einer höheren Verwertungsquote unterschiedlichster Materialien verfolgt das „Bau-Karussell“, eine Initiative des Vereins RepaNet (Re-Use- und Reparatur-Netzwerk Österreich). Gebäude werden hier nicht einfach abgerissen, sondern großteils demontiert. Einzelne re-use-fähige Bauteile und Komponenten sowie Einrichtungsgegenstände werden für die Wiederverwendung im Neu- oder Umbau zur Verfügung gestellt. Parallel dazu werden recyclingfähige Baustoffe manuell getrennt – zur stofflichen Verwertung. Dieser zeit- und arbeitsintensive Prozess wird von Arbeitskräften aus sozialwirtschaftlichen Unternehmen durchgeführt, die sonst nur schwer in den Arbeitsmarkt integrierbar wären.

Zu qualitativ hochwertigen Baumaterialien wird Bauschutt von der Firma StoneCycling „upgecycelt“. Hier 8 Beispiele von kreativen Einsatzmöglichkeiten − von der hippen Bar bis hin zum Rotterdamer Wohnhaus.