3 LKW als Sujet für vernetztes und autonomes Fahren

Route wird berechnet …

Energie & Ressourcen

Autonomes Fahren – vom PKW bis zum Güterverkehr – ist derzeit in aller Munde. Dass sich in diesem Bereich noch viel tun wird, steht außer Frage. Das Ziel des vollautonomen Fahrens ist eingegeben, befahrbar ist die Route realistisch betrachtet aber wohl noch nicht so bald.

Das Ende des Verbrennungsmotors naht. Führerschein ist bei den heutigen Jugendlichen out. Verkehrsministerium fördert autonomes Fahren mit 20 Millionen Euro. Die Medienberichte zeichnen ein eindeutiges Zukunftsszenario: Alles wird digitaler, alles wird nach-haltiger. Für einen möglichst geringen ökologischen Fußabdruck ist das auch dringend erforderlich. In der Informationsgesellschaft ist die weltweite Vernetzung Alltag geworden, Paketlieferungen vom anderen Ende der Welt eine Selbstverständlichkeit. Und das hat Konsequenzen: Laut OECD verdreifacht (!) sich das weltweite Frachtvolumen (Kilometer) bis 2050. Was die Nachhaltigkeit des LKW angeht, gibt es zwar nach wie vor Optimierungspotenzial, es hat sich aber auch schon vieles verbessert. Feinstaub ist bei modernen LKW praktisch kein Thema mehr, die Stickoxide sind an der Grenze des Messbaren und der Treibstoffverbrauch liegt bei 1 Liter pro transportierter Tonne – deutlich weniger als jeder PKW.

Neues Zentrum für autonomes Fahren

Lässt sich die Effizienz durch autonomes Fahren noch weiter optimieren? Thomas Zach, Geschäftsführer des Alp.Labs, das von AVL List, Magna, Virtual Vehicle, Joanneum Research und TU Graz im September 2017 gegründet wurde, um die steirischen Kompetenzen in Sachen autonomes Fahren zu bündeln: „Speziell was das vorausschauende Fahren betrifft, gibt es sicher noch Potenzial zum CO2-Sparen. Wir arbeiten mit der ASFINAG zusammen, wo es unter anderem darum geht, dass durch die Straßeninfrastruktur Informationen der aktuellen Verkehrslage direkt ans Fahrzeug weitergegeben werden und die Fahrzeuge automatisch vor Verkehrshindernissen wie Staus gewarnt werden.“ Und: Es geht keineswegs immer darum, den Fahrer zur Gänze zu ersetzen, „wir beschäftigen uns auch mit Fahrassistenzsystemen und teilautonomen Systemen“. Ein Beispiel dazu: Der Spurwechselassistent ist heute technisch ja bereits möglich. Alp.Lab bietet übrigens die Infrastruktur zum Testen für automatisierte PKW an. In Oberösterreich ist ein ähnliches Projekt für LKW in Vorbereitung.

3 LKW als Sujet für vernetztes und autonomes Fahren

Unternehmen und Wissenschaftler forschen intensiv im Bereich der vernetzten und autonomen Fahrens.
(Credit: MAN Truck & Bus)

Gesamtsystem optimieren

Auch Franz Weinberger von MAN Trucks & Bus sieht in der Digitalisierung großes Potenzial für nachhaltigeren Verkehr: „Es gibt inzwischen intelligente Tempomaten, die durch optimiertes Fahren noch zusätzlich Treibstoff einsparen. Das Gesamtsystem muss optimiert werden, etwa bei der Tourenplanung oder Verkehrsführung, um einen kontinuierlichen Verkehr zu gewährleisten.“ Fabriksneue LKW werden bei MAN mittlerweile mit einer sogenannten RIO-Box ausgestattet, über die Daten vom LKW (z.B. Standort, Verbrauch, technische Probleme, Abnutzung, …) in die Cloud geschickt werden. Je nachdem, welche Berechtigungen man vergibt, können darauf das Logistik-unternehmen oder auch weitere Glieder der Logistikkette zugreifen.

Autonomes Fahren umsetzen

Gemeinsam mit Schenker Logistik testet MAN Trucks & Bus Platooning in Deutschland – den vernetzten LKW-Zug. Im ersten LKW sitzt ein Fahrer, die anderen LKW bewegen sich vollautonom. Versuche zeigen, dass der Kraftstoffverbrauch dabei um bis zu 20 Prozent reduziert werden kann – allerdings bleibt es bislang bei den Versuchen. „Im Prinzip ist das Ganze rechtlich noch gar nicht zulässig und es sind noch technische Aufgaben zu lösen.“ Auch Stefan Zach von Alp.Lab ist der Meinung, dass es bis zum autonomen Gesamtverkehr noch ein langer Weg ist: „In gewissen Fahrsituationen kann man die Hände sicher schon bald vom Steuer lassen. Bis man technisch soweit ist, dass ein Fahrzeug alle Verkehrssituationen ohne Fahrer meistern kann, wird es aber wohl noch rund 15 Jahre dauern.“ Oder wie es Weinberger formuliert: „Derzeit ist die mediale Euphorie sicher größer als die Umsetzungsmöglichkeit, ähnlich wie bei der Elektromobilität.“

Zum Frachtverkehr:

  • Das weltweite Frachtvolumen könnte sich bis 2050 verdreifachen, so das Ergebnis des des „ITF Verkehrsausblick 2017“ der OECD.
  • Beim Kohlendioxid-Ausstoß wird von einer Erhöhung um 160 Prozent ausgegangen.
  • Download der Studie „ITF Verkehrsausblick 2017“

Zum autonomen Fahren:

  • Das bmvit investiert zwischen 2016 und 1018 rund 20 Millionen Euro in die Entwicklung von autonomen Fahren.
  • Mit Alp.Lab (Austrian Light Vehicle Proving Region for Automated Driving) wurde die erste Testumgebung Österreichs in der Steiermark evaluiert und mit dem Aufbau begonnen, weitere 2 bis 3 Testumgebungen sollen folgen.
  • Rund 800 Unternehmen sind in Österreich in der Automobilbranche tätig, die auch das autonome Fahren beinhaltet – zwei Drittel davon in der Steiermark.
  • Autonomes Fahren soll die Unfallzahlen senken: 95 Prozent der Unfälle mit Personenschaden sind auf menschliche Fehler zurückzuführen und könnten durch autonome Fahrzeuge verhindert werden (mehr dazu auf orf.at)

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