Produktion von Plastik-Alternativen: Forscher von Schubidu

Plastik-Alternativen als Geschmacksfrage

Energie & Ressourcen

Der Markt mit Plastik-Alternativen vom Bambus-Becher bis zum Stärke-Sackerl boomt. Aber sind Alternativen wirklich nachhaltiger?

Spannend klingen Ideen wie jene des steirischen Start-up-Unternehmens Saphium, das Mikroorganismen für sich arbeiten lässt. Diese erzeugen aus Pflanzenausscheidungen im Boden oder aus Wasserstoff und CO2 den Speicherstoff PHA – und damit Bio-Plastik. „Dieses Material gibt es zwar bereits auf dem Markt, allerdings wird es bisher aus Zucker hergestellt und wir wollen bewusst einen Weg gehen, der nicht in Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion steht“, sagt Christof Winkler-Hermaden von Saphium. Die Besonderheit an der Plastik-Alternative PHA ist, dass sie dicht und vor allem wasserfest ist. Abbaubar sei ein Standard-Sackerl aus dem Material in 180 Tagen, so Winkler-Hermaden. Derzeit arbeitet der Forscher mit seinem Team daran, die Kosten in der Produktion zu senken. Als Einsatzgebiete denkt man bei Saphium neben Sackerln auch an 3D-Drucker oder Produkte wie Folientunnel und Bindematerial für die Landwirtschaft.

Produktion von Plastik-Alternativen: Forscher von Schubidu


Das Start-up Saphium erzeugt aus Pflanzenausscheidungen im Boden oder aus Wasserstoff und CO2 den Speicherstoff PHA – und damit Bio-Plastik.
(Credit: Schubidu Quadrat)

Bio-Plastik als Alternative?

„Man kann nicht per se davon ausgehen, dass Kunststoffe nicht nachhaltig sind“, unterstreicht Manfred Tacker, Studiengangsleiter für Verpackungstechnologie und nachhaltiges Ressourcenmanagement der FH Campus Wien, die Meinung von Braungart mit dem Verweis auf PET, das perfekt recycelbar ist. „Die Alternativen zu fossilbasierten Kunststoffen sind Biopolymere, die aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden und teilweise kompostierbar sind. Beispiele sind etwa Materialien auf Basis Stärke, Milchsäure oder Zellulose“, erklärt Tacker. Bei der Frage, was davon denn nun nachhaltig ist, wird es kompliziert: „Eine Bewertung kann man nur treffen, wenn man den gesamten Lebenszyklus betrachtet.“ Für Bio-Plastik-Produkte braucht man zwar teilweise kein Erdöl, dafür aber Wasser und Land – und sie stehen oft in Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion. Auch entsteht CO2 bei der Produktion oder beim Kompostieren – im Vergleich zum Verbrennen wird bei der Kompostierung aber gleichzeitig keine Energie gewonnen. „Wir vergleichen oftmals Äpfel mit Birnen, etwa wenn wir den Ausstoß von Klimagasen mit dem Landverbrauch oder der Recyclierbarkeit vergleichen. Die Diskussion läuft auf einer sehr einfachen Ebene, aber das Thema ist viel komplexer“, so der Experte.

Verpackungen aus Plastik reduzieren

Recycling-Kreisläufe seien prinzipiell sicher besser zu bewerten, als Materialien zu kompostieren. In diesem Zusammenhang begrüßt Tacker auch die „EU Plastic Strategy“, nach der ab 2030 alle Kunststoffverpackungen auf dem EU-Markt recyclingfähig sein sollen; der Verbrauch von Einwegkunststoffen soll reduziert und die absichtliche Verwendung von Mikroplastik beschränkt werden. Dahingehend müssten natürlich die Kapazitäten für das Recycling bis dahin ausgebaut werden.

Cradle-to-Cradle-Begründer Michael Braungart sieht das Problem weniger im Material Plastik, das habe seine Berechtigung. Man müsse das Augenmerk auf die vielen schädlichen Inhaltsstoffe legen. Im „Spielzeug“ aus Fast-Food-Restaurants fand er 600 giftige Chemikalien, in jenem aus Überraschungseiern Blei. Mehr dazu im Artikel Plastik – „das Falsche wurde perfektioniert“.