Grinsender Kürbis im Altpapier (Illustration zum Artikel Müll-Mythen)

Nur rein damit – aber richtig!

Energie & Ressourcen

Schluss mit Abfall-Mythen! Vom Sportschuh über das Handy bis hin zu Ökostrom – für all das kann der Inhalt aus der Abfalltonne der Rohstoff sein. Aber nur, wenn man bei der Entsorgung die richtige Tonne trifft.

Mythos 1: Man wirft einfach den gesamten Abfall in den Restmüll, den Rest erledigen die Recyclinganlagen.
Stimmt nicht. Durch moderne Technologien wird das Recycling zwar immer effizienter, das richtige Trennen ist aber dennoch unerlässlich. Manfred Grubbauer, Vertriebsleiter FCC Austria Abfall Service: „Vor allem im Restmüll landen noch häufig Kunststoff- und Metallverpackungen als auch Bioabfälle. Damit können diese Wertstoffe nicht mehr stofflich recycelt werden, weil das Aussortieren immens aufwändig und oft auch gar nicht möglich ist.“ Rund 11 Millionen Euro an Wertstoffpotenzial jährlich sind es in der Steiermark, die laut letzter Restmüllanalyse durch das falsche Entsorgen verloren gehen. Und auch jeder einzelne Steirer spürt die Folgen in seiner Geldbörse: Je mehr Restmüll, desto höher die Müllgebühren.

Mythos 2: Joghurtbecher muss man auswaschen, bevor sie in den Abfall kommen.
Stimmt nicht – es handelt sich hierbei um einen weiteren Vertreter der Abfall-Mythen. „Das ist Wasserverschwendung. Es reicht, wenn die Joghurtbecher löffelrein sind“, weiß Bianca Moser-Bauernhofer“, Geschäftsführerin des Abfallwirtschaftsverbands Weiz.

Abfall-Mythen aus dem Bereich Altpapier


Mythos 3: Bei Fensterkuverts muss man das Plastikfenster herauslösen.

Stimmt nicht. Moser-Bauernhofer: „Man kann das gesamte Kuvert ins Altpapier werfen, ebenso dürfen Heftklammern im Papier bleiben. Die modernen Anlagen sortieren das aus.“

Mythos 4: Altpapier darf auch in den Bioabfall.
Stimmt nicht, auch das gehört zu den Abfall-Mythen. Altpapier wird in Österreich zu 100 Prozent recycelt – allerdings nur, wenn es getrennt gesammelt wird. Eine einzige Zellulosefaser kann bis zu sechs Mal wiederverwendet werden. Fremdstoffe wie Klammern oder Klebestreifen können durch moderne Technologien ausgeschieden werden und behindern den Recycling-Prozess nicht. Verpackungen aus Karton, Pappe und Papier bestehen in Österreich zu einem hohen Anteil, manche Sorten fast zur Gänze, aus Altpapier.

Grinsender Kürbis im Altpapier (Illustration zum Artikel Abfall-Mythen)

Ganz und gar nicht zum Grinsen: Fehlwürfe im Altpapier verschlechtern die Recycling-Quote.
(c) WKO/Lunghammer

Abfall-Mythen aus den Bereichen Kunststoff und Glas



Mythos 5: Kunststoffverpackungen trennen muss nicht sein, da es gesammelt in den Müllverbrennungsanlagen landet.
Stimmt nicht. Recycling-Expertin Moser-Bauernhofer: „Das getrennte Sammeln ist für effizientes Recycling unerlässlich, verwertet wird von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich.“ In der Steiermark gehören alle Leichtverpackungen in den Gelben Sack oder die Gelbe Tonne und werden zu einem großen Teil recycelt: beispielsweise zu PET-Flaschen, massiven Dachrinnen, Fasern für Fleecepullover, Schlafsack-Füllungen oder Sportschuhen. Anders in Wien, Salzburg, Niederösterreich und Kärnten: Hier kommen teilweise nur stofflich verwertbare Plastikflaschen in den Gelben Sack oder die Gelbe Tonne.

Mythos 6: Glasverpackungen müssen nicht in Weiß- und Buntglas getrennt werden, weil ohnehin alles miteinander vermischt wird.
Stimmt nicht. Lediglich eine grüne Flasche im Weißglas genügt, um 500 Kilo Weißglas grünlich einzufärben. Auf der anderen Seite entfärbt falsch eingeworfenes Weißglas das Buntglas und macht es beispielsweise für die Verwendung als Medikamentenflaschen mit Lichtschutz unbrauchbar. Auch bei Abholung durch den LKW wird auf die sortenreine Trennung geachtet, im LKW gibt es unterschiedliche Kammern für Bunt- und Weißglas. In Österreich produzierte Glasverpackungen bestehen zu rund zwei Drittel aus Altglas.

Mythos 7: Elektroaltgeräte gehören in den Sperrmüll
Stimmt nicht. Nur wenn man Elektroaltgeräte bei kommunalen Sammelstellen oder im Handel beim Neukauf abgibt, kann man die Rohstoffe daraus wieder nützen – beispielsweise für neue Kühlschränke, Handys, DVD-Player etc.. Auch Kleingeräte wie Toaster, USB-Stick, Radio etc. und Leuchtstoffröhren/Gasentladungslampen gehören nicht zum Sperrmüll, sondern unbedingt zur Sammelstelle für Elektroaltgeräte. Weitere Infos auf www.elektro-ade.at.

Abfall-Mythen rund um Speiseöl und Altreifen



Mythos 8: In einem Privathaushalt kann man altes Speiseöl auch im Kanal entsorgen.
Stimmt nicht. 12 Millionen Euro an Mehrkosten entstehen in der Steiermark jedes Jahr durch Fehlwürfe im Kanal – auch durch altes Speiseöl, das in der Toilette entsorgt wird. „Damit richtet man sowohl an den eigenen Rohren in der Wohnung als auch im Kanalsystem immensen Schaden an“, weiß Ewald-Marco Münzer von der Münzer Bioindustrie. „Außerdem erhöhen sich die Kanalgebühren, man zahlt also doppelt drauf.“ Alte Speiseöle daher unbedingt in einem Behälter sammeln und im Altstoffsammelzentrum abgeben. In der Gastronomie sammelt Münzer Bioindustrie die verbrauchten Speiseöle und produziert daraus ökologisch nachhaltigen Biodiesel.

Mythos 9: Alte Autoreifen entsorgt man im Restmüll.
Stimmt nicht, man hat es dabei mit dem 9. Vertreter aus der Welt der Abfall-Mythen zu tun. Alte Reifen werden vom Reifenhändler nämlich retour genommen und können auch bei kommunalen Sammelstellen abgeben werden. Fast ein Drittel der in Österreich anfallenden Altreifen recycelt Tyrec Wertstoffservice in Peggau: als Ersatzbrennstoffe für Zementwerken, aber auch als Rohstoff für Matten, die auf Kinderspielplätzen verwendet werden.

Richtige Abfalltrennung in der Steiermark:

(Abfall-)Mythen im Internet erkennen:
Medien-Expertin Ingrid Brodnig weiß, wie man Fake News von Fakten unterscheidet. Mehr dazu: Glaubst du noch an Google?

Teile den Betirag