Essbarer Garten

Nur noch schnell die Welt retten …

Leben & Gesellschaft

Man braucht kein Millionenbudget und man muss kein Genie sein. Es ist ganz einfach, das Klima, die Gesellschaft oder die Wirtschaft ein kleines Stück besser zu machen. Das Portal Mutmacherei sammelt diese Ideen und motiviert andere zum Nachmachen – auch in der Steiermark tragen einige solche Projekte bereits im wahrsten Sinn des Wortes Früchte.

Wirtschaftsflaute, steigende Arbeitslosigkeit, Flüchtlingsströme, Klimawandel … „Ich kann verstehen, dass viele Menschen denken, alles geht den Bach runter“, sagt Ira Mollay. Dass es große Probleme gibt, steht für die Wiener Veränderungsberaterin außer Frage. „Aber die Welt ist auch voller Lösungen. Nur sind diese Lösungen und guten Beispiele in den Medien bei Weitem nicht so präsent wie die Probleme und Krisen.“ 17 zu 1 beträgt das Verhältnis zwischen negativen und positiven Nachrichten in den Medien laut dem Fachjournal Psychology Today. Für die dringend notwendigen Veränderungen in Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt ist das allerdings kontraproduktiv. Neurologischen Studien zufolge lösen negative Nachrichten im Gehirn nämlich Lähmung, Hilflosigkeit und Angst aus. Und blockieren damit kreatives Denken und Schaffensdrang – und damit auch die Motivation, aktiv etwas gegen die Probleme zu unternehmen.

Screenshot der MutmapNur Lösungen motivieren zum Handeln
Ira Mollay will dem entgegenwirken, hat daher vor 5 Jahren die Plattform Mutmacherei gegründet und darin mehr als 500 Projekte für den ökologischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandel in aller Welt gesammelt – „weil positive Beispiele im Gehirn Schaffensdrang auslösen“. Das Spektrum der Projekte ist breit gefächert: Man liest von Produktinnovationen zum Energiesparen wie der Garkiste, mit der man beim Kochen nicht nur 40 Prozent Energie, sondern auch Zeit spart, oder dem Tool Traffic-Check für nachhaltigen Verkehr (auch für Graz verfügbar). In der Kategorie Gesellschaft zeigt das „Wandercafè Inge“, dass ein Kaffee mit der Nachbarin „auf halber Treppe“ das Zusammenleben verbessern kann. Die Projekte sollen zu mehr „Positivität“ anregen, wie es Mollay formuliert. „Es bringt nichts, wenn wir die Probleme zu Tode analysieren, wir müssen den Blick auf die Lösungen richten, weil nur diese zum Handeln motivieren.“

„Garten für ALLE“ der Firma Zuser
Auch Projekte aus der Steiermark sind auf Mutmacherei.net zu finden, unter anderem die Story des Steirers Andreas, der mit seiner Reederei „Tres Hombres“ Rum und Schokolade mit einem Segelfrachter ohne Motor fair zu uns transportiert. Ein weiteres der „mutmachenden Projekte“ ist Übelbach als erste essbare Gemeinde Österreichs, die von der Plattform EinfachEssbar.org bzw. Familie Peham initiiert wurde. Der Begriff „essbar“ bezieht sich dabei auf die öffentlichen Gärten, die von Gemeindebewohnern bepflanzt werden und von denen auch jeder ernten darf. Heute gibt es bereits 7 Gärten in ganz Österreich, unlängst hat man in Obdach gestartet.

Sandra Peham, Pädagogin (c) WKO/Lunghammer

Sandra Peham, Pädagogin
(c) WKO/Lunghammer

„Es geht darum“, so Sandra Peham von EinfachEssbar.org, „das Verständnis für die Natur zu stärken und Gemeinschaftsräume zu schaffen.“ Die Gärten werden nach den Permakultur-Prinzipen betrieben – möglichst naturnah und mit deutlich weniger Arbeitsaufwand als ein klassischer Gemüsegarten, weil man der Natur einfach ihren Lauf lässt, so wie man es auch in Peggau macht. Dort hat die Unternehmensgruppe Zuser rund 700 Quadratmeter für den „Garten für ALLE“ zur Verfügung gestellt, der gemeinsam mit Permakulturpraktiker Johann Peham und der Gemeinde Peggau umgesetzt wurde.

Georg Zuser sieht in der naturnahen Gestaltung des „Gartens für ALLE“ ein „weitergedachtes Ressourcenmanagement“. Sowohl der Garten als auch die Weiterverwertung von Ressourcen wie das bislang nicht genutzte Grundstück bezeichnet der Geschäftsführer als „gelebte Kreislaufwirtschaft auf höchstem Niveau“.

Kinder lernen: Lebensmittel sind kostbar
Die Kosten für die Installation des Garten sowie die Samen und Pflanzen trägt das Unternehmen, die Früchte ernten die Mitarbeiter ebenso wie Gemeindebewohner und alle anderen Interessierten. Regelmäßig zwischen den Kriecherl-Bäumen, Hildegard-von-Bingen-Kräutern und Kürbisstauden unterwegs sind laut Sonja Zuser, die das Projekt organisiert hat, die Volksschul- und Kindergartenkinder aus der Gemeinde. Die Kinder beobachten im Rahmen des Projekts „Kinder gartel‘n“ mit Unterstützung der Permakultur-Experten Sandra und Johann Peham den natürlichen Lauf der Jahreszeiten und betätigen sich selbst als Gärtner und Köche. Die geernteten Kräuter und Früchte werden auch verarbeitet: etwa in Form von Kräutersalz. So lernen die Kinder, dass es vom Einstreuen des Samens bis zum Ernten der Früchte eine ganze Weile dauert – und dass Lebensmittel kostbar sind. Bislang habe man mit dem Projekt positive Erfahrungen gemacht, „das Prinzip ist ja, das jeder nur für den Eigengebrauch ernten soll und das funktioniert auch gut.“

Anpacken statt reden
Für Inspirationen von außen ist Sonja Zuser immer offen. „Letztes Jahr haben wir mit einem internationalen Team ein Hochbeet aus Altholz ganz ohne Plastik gebaut. Und auch ein Wasser-Rückhaltebecken ist entstanden.“ In all dem sieht Sonja Zuser „keine große Sache“. Aber wie Mutmacherei-Initiatorin Mollay bestätigt, sind es gerade diese kleinen Dinge – die überschaubaren und greifbaren – die zum Nachmachen motivieren. Und wie formulierte es Henry Ford einst so treffend: „Einen Vorteil hat im Leben, wer anpackt, wo andere erst einmal reden.“

Die Mutmacherei ist ein Online-Magazin, das anhand ganz konkreter Beispiele aus aller Welt zeigt, dass man auch im kleinen Rahmen viel zum Wandel beitragen kann. Ähnlich wie die Mutmacherei machen das auch folgende Online-Portale:

Essbare Gärten sind Gemeinschaftsflächen, die der Allgemeinheit offen stehen und die für pädagogische Projekte genutzt werden. In der Steiermark gibt es mit Obdach und Übelbach 2 „Einfach Essbare Gemeinden“ und auch 2 Firmengärten („Garten für ALLE“ der Firma Zuser in Peggau sowie die Gärten der WIKI Kinderbetreuung in Graz)

Teile den Beitrag