Muntermacher oder Energieräuber?

Leben & Gesellschaft

Die Ökologie-Frage als Kaffeesudleserei: In Tirol werden die in Österreich gesammelten Nespresso-Kapseln recycelt. Eine unglaubliche Energieersparnis im Vergleich zur Alu-Neugewinnung, aber sind die Kapseln trotzdem ökologischer Wahnsinn?

Erst war der Kaffee da und dann kam die Kapsel. Immer mehr Kaffeetrinker setzen mittlerweile auf die Verwendung von Kapselmaschinen, wie sie Nespresso salonfähig gemacht hat. Ein Ende des Trends scheint nicht absehbar. Neben dem Geschmack, über den sich bekanntlich immer streiten lässt, liegt der Kapsel-Vorteil darin, dass nur genau so viel Kaffee aufgebrüht wird, wie tatsächlich getrunken wird und nicht eine halbe Kanne voll weggeschüttet wird, sagen die Verfechter dieser Technik. Schlichtweg ökologischen Wahnsinn nennen die Gegner die kleinen bunten Kaffee-Portionen, schließlich verschlinge die Herstellung von Aluminium enorme Mengen an Energie. Energie, die sonst nicht verschwendet würde – oder? Ein Selbst- bzw. Rechenversuch auf der Website ello.co stellt das allerdings in Frage: Verglichen mit dem durchaus hohen Stromverbrauch einer italienischen Espressomaschine sei die Nespresso-Maschine selbst inklusive der Herstellung von 2 Kapseln pro Tag noch immer energieeffizienter. Auch wenn angemerkt wird, dass man den Energieverbrauch der Aluminiumherstellung zwar beziffern und damit einrechnen könne, es aber keine genauen Daten zur Kapselproduktion gebe, regt das natürlich zum Nachdenken an.

Harald Höpperger

Harald Höpperger (c) Umweltschutz Höpperger

Recycling – what else?
Für die Kapsel spricht ein funktionierender Recycling-Kreislauf: Werden Nespresso-Kapseln in Österreich an den Sammelstellen abgegeben, werden sie zum neuen Rohstoff. Seit 2012 ist die Tiroler Höpperger Recycling GmbH für das Recycling der landesweit gesammelten Kapseln verantwortlich – in Partnerschaft mit ARES, einer Tochtergesellschaft der Altstoff Recycling Austria AG, die die Sammlung gebrauchter Nespresso-Kapseln managt. 1.500 Sammelstellen gibt es mittlerweile – „Tendenz steigend“, wie Geschäftsführer Harald Höpperger von der Firma Höpperger Recycling erklärt: „Ebenso steigt die Zahl der gesammelten und recycelten Kapseln ständig an.“ Konkrete Zahlen dürfen laut Nespresso nicht veröffentlicht werden.

Doch was passiert mit den gebrauchten Kapseln genau?
Mit einem eigens entwickelten Verfahren wird der Kaffeesud aus den Kapseln als wertvollen Energieträger nutzbar macht. Aus dem erzeugten Biosubstrat wird in Faultürmen von Kläranlagen Biogas gewonnen. Zusätzlich sind die aus Aluminium hergestellten Kapseln gänzlich und unendlich recycelbar. Die Energieersparnis beim Recyceln im Vergleich zur Neugewinnung beträgt satte 95 Prozent. Also doch kein ökologischer Wahnsinn? „Davon kann aus unserer Sicht wirklich keine Rede sein. Als Familienunternehmen, das sich mit Recycling befasst, mittlerweile 98 Prozent aller angelieferten Wertstoffe wiederverwertet und den Erhalt unserer Umwelt seit seiner Gründung vor 50 Jahren zum Leitmotiv erkoren hat, stehen wir dafür gerade, dass auch die gebrauchten Nespresso-Kapseln bei uns in den besten Händen sind“, betont Höpperger. Und selbstverständlich ist auch in seiner Tasse Nespresso-Kaffee. Aus 2 Gründen wie er sagt: „Die Qualität des Kaffees ist schließlich unbestritten. Und aufgrund des Wissens, dass die gebrauchten Kapseln von uns zu hundert Prozent in den Wertstoffkreislauf zurückgeführt werden, genießen wir jede Tasse mit sehr gutem Gewissen.“

(c) Hintergrundbild: Nespresso