Im Selbstversuch: Foodsharing in Graz

Leben & Gesellschaft

Zuviel Reis gekocht? Und/oder zuviele Paradeiser eingekauft? Foodsharing schafft Abhilfe, wenn die Augen etwas größer waren als der Magen und verhindert damit Lebensmittelverschwendung. Ob und wie das Ganze in der Praxis funktioniert, haben wir ausprobiert.

Die richtige Menge zu kochen ist nicht immer einfach. Vor allem wenn sich bei der Reismenge nicht am Kochbuch, sondern der Formel „Pie mal Daumen“ orientiert. Und wenn die Ochsenherzparadeiser in ihrem knalligen Rot im Supermarkt einfach „zum Reinbeißen“ ausgesehen haben und die gekaufte Menge daher wohl etwas zuviel ist für unsere Reisportion. Kurzum: Wir haben deutlich mehr „Kohlrabi-Tomaten-Reis mit Ei“ im Kochtopf, als in unseren Mägen Platz hat. Weil wir aber in letzter Zeit schon einiges über Foodsharing gehört haben, nehmen wir das Ganze zum Anlass für einen Selbstversuch.

Frische Ochsenherzparadeiser sind eine der Zutaten in dem Reis, den wir über Foodsharing weitergeben. (c) Soritz/Lunghammer

Frische Ochsenherzparadeiser sind eine der Zutaten in dem Reis, den wir über Foodsharing weitergeben.
(c) Soritz/Lunghammer

Der erste „Essenskorb“
Wir lesen uns auf Foodsharing.at kurz die Etikette durch und registrieren uns, was schnell und einfach funktioniert. Danach sehen wir, welche „Essenskörbe“ in unserer Umgebung derzeit angezeigt werden. Ein „Essenskorb“ kann aus verpackten Lebensmitteln wie Nudeln, Schokolade oder Fruchtsaft ebenso bestehen wie aus Obst und Gemüse oder – wie eben in unserem Fall – zubereiteten Lebensmitteln. Nicht erlaubt sind zubereitete Lebensmittel, die Fleisch oder Fisch enthalten (außer es kann durch Lieferscheine eine lückenlose Kühlkette nachgewiesen werden). Unser Reis entspricht also den Vorgaben und somit klicken wir auf „Neuer Essenskorb“. Gefragt sind unter anderem eine genaue Beschreibung, bei der wir die Zutaten eintragen: Risotto-Reis, passierte Tomaten, Kohlrabi, ein bisschen Kraut und Ei. Auch nach dem Gewicht werden wir gefragt, da über die geretteten Kilogramm an Lebensmittel Statistik geführt wird.

Überraschend einfach
Ein Foto unseres „Angebots“ könnten wir auch hochladen, wir belassen es aber diesmal bei der schriftlichen Beschreibung und veröffentlichen unseren „Essenskorb“. Und siehe da, ein paar Stunden später erhalten wir schon die erste Anfrage: Ob der „Kohlrabi-Tomaten-Reis mit Ei“ denn noch verfügbar wäre? Wir sind überrascht, dass sich so schnell jemand meldet und schreiben gleich zurück: Ja, kann gerne in der Maygasse abgeholt werden. Und das macht der User dann auch, wie vereinbart um 10.30 Uhr. Er hat sogar seine eigene Schüssel mit, scheint ein Routinier zu sein. Wir leeren den Reis also von unserer Schüssel in seine, er bedankt sich höflich, wir verabschieden uns. Wir sind noch immer ein bisschen überrascht, dass das so einfach funktioniert hat. Und dass er einfach blindlings auf unsere Kochkünste vertraut. Aber es scheint im tatsächlich geschmeckt zu haben, am nächsten Tag erhalten wir nämlich ein Email von ihm mit einem Kompliment und der Frage nach dem Rezept. Unser Resümee zum Foodsharing-Selbstversuch: Überraschend einfach, Nachahmung ausdrücklich empfohlen.

Link zur Facebook-Seite der Foodsharing-Community in Graz

Nicht nur online über das Portal Foodsharing.at, auch offline über die Fairteiler-Kühlschränke kann man übrig gebliebene Lebensmittel weitergeben. Welche Lebensmittel sich gerade in den Kühlschränken befinden, kann man auch über eine Facebook-Seite nachlesen. Mehr zum System dahinter und der Motivation der Mitglieder in der Printausgabe des Magazins ROHSTOFF oder hier als Download:
Rezepte gegen das schlechte Gewissen