Kompost

Eine tragende Rolle für den Bioabfall

Wissenschaft & Forschung

Während der Recycling-Kreislauf bei Alu, Glas oder Papier bei den meisten schon in den Gehirnwindungen verankert ist, macht man um Lebensmittelabfälle gedanklich einen Bogen. Abgesehen von nährstoffreichem Kompost schlummert in der Biotonne aber auch das Potenzial für biologische Shopping-Begleiter.

Sie stecken ihre Nasen ganz tief in den Biomüll – oder zumindest in das Thema Biomüll. Die Forscherinnen und Forscher der Universität Innsbruck arbeiten an den erweiterten Verwendungsmöglichkeiten dieses Abfalls. Denn der Biomüll hat seine Möglichkeiten noch lange nicht ausgeschöpft, wissen die Experten, sondern kann – nach entsprechender Behandlung – in einer im wahrsten Sinn des Wortes tragenden Rolle eine Wiederauferstehung feiern: nämlich als Bio-Sackerl.

Kompost

Milchsäure aus Biomüll

Die Idee des Energie- und Klimafonds-Projekts „BioKasEn“ war die Verwendung von Bioabfall als Alternativressource zur mikrobiellen Produktion von Milchsäure. Milchsäure? Warum Milchsäure? Milchsäure dient als Rohstoff für die Produktion von PLA (Polymilchsäure), aus der biokompatible Kunststoffe hergestellt werden. Mit der Möglichkeit, Milchsäure aus Bioabfall zu gewinnen, wird dieser entsprechend seines Potenzials besser genutzt. Und: „Hervorzuheben ist, dass es zu keiner Konkurrenzsituation mit der Produktion von Lebensmitteln oder sonstigen landwirtschaftlich erzeugten Produkten kommt“, sagt Anke Bockreis von der Universität Innsbruck – wie das zum Beispiel beim populären „Biosackerl“ aus Maisstärke der Fall ist.

Wie funktioniert’s?

In dem Forschungsprojekt wird der Innsbrucker Bioabfall nach der gewohnten Sammlung in eine flüssige und eine feste Phase separiert. Die feste Phase wurde wie bisher der anaeroben Vergärung zugeführt um Biogas zu gewinnen. Um die flüssigen Bestandteile ebenso zu nutzen, wurden weitere Prozessschritte zur Entwässerung des Bioabfalls eingeführt. Dies erschließt zusätzliche energetische und stoffliche Potenziale.

Futtermittel und Biogas

Zuerst wird aus der Flüssigphase Milchsäure hergestellt. Diese wird im zweiten Schritt zu qualitativ hochwertiger Milchsäure und damit zu einer Ressource für die Herstellung von PLA und Bioverpackungen. Zuletzt entsteht qualitativ minderwertige Milchsäure, die für Biokraftstoffadditive verwendet wird. „Die entstehenden Produkte reichen von Chemikalien, Werkstoffen oder auch Futtermitteln bis hin zu Treibstoff und Biogas“, erklärt Bockreis. Andere Beispiele wären Einkaufssackerl, Strohhalme oder Becher.

Kreisläufe schließen

Mit dieser Kombination der 3 Prozessschritte wurde eine Möglichkeit gefunden, ein bisher nicht ausgeschöpftes Potenzial im Abfallbehandlungssystem zu nutzen. Der Bioabfall wird so verarbeitet, dass der Stoffkreislauf geschlossen werden kann – anders gesagt: Das Sackerl, das wir zum Sammeln des Biomülls verwenden, wurde aus Bioabfall hergestellt und wird wieder zu solchem.

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