Berge von Schlacken

Eine Schatzkarte für die Schlacken

Wissenschaft & Forschung

Die Zeit der Piraten ist zwar schon vorbei, doch wer möchte nicht gerne verborgene Schätze heben? Dass es diese auch heute noch gibt, weiß Jürgen Antrekowitsch. Dabei denkt er weniger an Holzkisten mit Gold als an die Werte, die in Schlacken und Stäuben der Industrie versteckt sind.

Weltweit werden von der Zink-Industrie jährlich 10 Millionen Tonnen an Schlamm deponiert. Doch in diesem Abfallprodukt stecken 2 bis 3 Milliarden Euro an Werten – in Form von Silber, Zink, Blei oder Kupfer – die derzeit einfach verloren gehen. Geht es nach Jürgen Antrekowitsch, soll sich das künftig ändern. „Bisher finden nur wenige Nebenprodukte eine Weiter­verwendung, und dabei steht zumeist nicht die Wertmetallrückgewinnung im Vordergrund. Wir haben jedoch jene Schlacken und Stäube im Fokus, die als Metall-Rohstoffquelle dienen könnten. Hier zeigt sich ein riesiges Potenzial zur Gewinnung von Metallen wie Kupfer und Zink sowie Edelmetallen, und das findet bisher viel zu wenig Beachtung“, sagt der Nichteisenmetallurge der Montanuniversität Leoben.

Berge von Schlacken

In Industrieschlacken lagern teilweise Rohstoffe – Ansatz für ein aktuelles Forschungsprojekt an der Montanuni Leoben.
(Credit: Antrekowitsch)

Stäube in der Stahlindustrie

Auch in Österreich gilt noch vieles, was Rohstoffquelle sein könnte, als Abfall: In der Stahlindustrie fallen rund 20 Kilogramm an Stäuben pro produzierter Tonne Stahl an, die aber hierzulande noch gar nicht aufgearbeitet würden, so Antrekowitsch; auch in Deutschland werde nur ein kleiner Teil der darin enthaltenen „Schätze“ gehoben.

Schlacken: Lohnt sich die Schatzsuche?

Damit man Schlacken, Schlämme und Stäube nützen kann, müssen aber noch Gewinnungsverfahren entwickelt bzw. weiterentwickelt werden. Und es braucht ein Beurteilungssystem, um zu wissen, ob sich die „Schatzsuche“ überhaupt lohnt. „Für Erze gibt es zum Beispiel ein solches zertifiziertes System, damit Investoren und Interessenten eine verlässliche Beurteilung in der Hand haben, welche Mengen in etwa abgebaut werden können. Für Sekundärrohstoffe gibt es das bisher noch nicht“, sagt Antrekowitsch. Gemeinsam mit den Instituten für Aufbereitung und Veredelung sowie Geologie und Lagerstättenkunde soll dieses System nun in den kommenden 4 Jahren unter seiner Leitung entstehen.

Metalle in Schlacken

Beteiligt sind auch die Unternehmen GKB Bergbau, Marienhütte Graz, ARP, Cemtec, RHI Magnesita, R+M Ressourcen und Management sowie Befesa. „Ich habe mich in meinen Forschungen bereits mit der Evaluierung befasst. Die Steiermark hat hier ein besonderes Know-how und die interdisziplinäre Zusammenarbeit ermöglicht es, diese großen Potenziale an Metallen in Schlacken, Stäuben und Schlämmen künftig vielleicht nutzen zu können.“ Im Einsatz könnte das steirische Beurteilungssystem, wenn es sich bewährt, weltweit sein. Gebraucht wird es überall.