Arbeiter sitzt vor Computer und Glasfenster, davor CP-Anlage

Die richtige Dosis Glas

Wirtschaft & Standort

Die Katze im Sack kauft heute kaum noch ein Kunde. Er bevorzugt „gläserne Sichtfenster“ – in Form von Facebook-Seiten, Betriebsbesichtigungen und Co. Transparenz steht hoch im Kurs. In Sachen Datenschutz gilt aber zunehmend: Fenster zu. Wie das steirische Ressourcenmanagement damit umgeht und warum dabei ein Stammtisch-Bier durchaus hilfreich sein kann.

4 von 5 Bewertungssternen sind für die meisten noch ok. Bei 3 von 5 wird man schon kritisch und liest sich die Kommentare anderer User durch. Egal ob man sich ein Buch bestellt, ein Hotel bucht oder der Rechner am Arbeitsplatz getauscht werden muss: Die Bewertungen zu checken, ist längst selbstverständlich. Der Kunde von heute will einen „Blick hinter die Fassade werfen“, bevor er einem Unternehmen Vertrauen schenkt und Unternehmen bieten diese Einblicke auch an – online und offline. Initiativen wie „Erlebniswelt Wirtschaft“, die Führungen in mehr als 50 steirischen Unternehmen – unter anderem Komptech und Saubermacher – ermöglichen, freuen sich wachsender Beliebtheit.

Arbeiter sitzt vor Computer und Glasfenster, davor CP-Anlage

Immer öfter gewähren Unternehmen einen Einblick in ihre tägliche Arbeit – direkt vor Ort, wie hier beim Steuern einer CP-Anlage, aber auch über soziale Medien.
(c) WKO/Lunghammer

Transparenz über Facebook

Ralf Mittermayr, Vorstandsprecher bei Saubermacher: „Die Menschen möchten sehen, was hinter den Kulissen passiert. Internet & Co haben dazu sicherlich ihren Beitrag geleistet; das Ökologiebewusstsein ist in Österreich sehr hoch. Daher ist auch Facebook ein für uns unverzichtbarer Kommunikationskanal geworden.“ Auch über soziale Medien geben Unternehmen einen Einblick in ihre Arbeit. Andreas Säumel von Mayer Recycling über die Motivation für die Facebook-Seite: „Die Ursprungsidee war, die Mitarbeiter zu erreichen und ihnen zu zeigen, was sich bei uns alles tut – gewissermaßen um das Wir-Gefühl zu stärken.“

Harald Sigl von Münzer Bioindustrie: „Wir wollen zeigen, wofür wir stehen: Familienunternehmen, regionale Wertschöpfung und Umweltschutz. Facebook eignet sich dazu sehr gut. Mit Fotos unserer Mitarbeiter in Action oder unseres Fuhrparks rücken wir ihre Leistungen in den Mittelpunkt. Andererseits nützen wir die Plattform, um für uns wichtige Themen zu transportieren, zum Beispiel, dass Schnitzelfett nicht den Abfluss gehört, sondern richtig entsorgt werden soll.“

Ähnlich wie beim Alkohol

Die zunehmende Transparenz der Unternehmen bringt aber auch Herausforderungen mit sich. Wenn mehr Informationen und Daten nach außen gehen, birgt das die Gefahr, dass etwas in falsche Hände gerät. Dazu Datenschutzexperte Gerhard Laga, Leiter des E-Center der WKO Österreich: „Das ist ein bisschen wie bei Alkohol – das Internet ist ein Werkzeug, mit dem man Gutes und Schlechtes machen kann. Die Dosis entscheidet.“ Der Experte ortet noch Lernpotenzial, was den Umgang mit Facebook & Co. betrifft – quer über alle Generationen: „Nur weil man mit Social Media aufgewachsen ist, heißt das noch lange nicht, dass man richtig damit umgeht.“ Wenn vertrauliche Informationen nach außen gelangen – egal ob über soziale Medien oder indem Unterlagen einfach achtlos liegen gelassen werden und dann in die Hände von Besuchern kommen – kann das für Unternehmen sehr teuer werden.

Bewusstes Nein

„Da braucht es ein höheres Bewusstsein. Der Chef muss die Mitarbeiter dafür sensibilisieren, dass die Daten des Unternehmens dessen wichtigstes Kapital sind. Datenschutzschulungen klingen natürlich nicht sehr sexy, aber man kann ja auch einen gemütlichen Stammtisch mit dem einen oder anderen Bier daraus machen.“ Und man muss außerdem nicht auf jeden fahrenden Zug aufspringen. Viel sinnvoller, als sein Unternehmen auf sozialen Medien zu präsentieren, ohne Inhalt und Ziel dahinter zu haben, ist laut Laga ein bewusstes Nein. Auch die Unternehmensgruppe Zuser hat sich gegen eine Facebook-Seite entschieden. „Wir haben schon darüber diskutiert, aber den großen Benefit für uns dann nicht darin gefunden“, so Monika Prietl von der Zuser-Unternehmensgruppe.

Missbrauch verhindern?

Für möglichst guten Datenschutz muss neben dem Menschen aber auch die Technik „up to date“ sein – 40 Prozent der Unternehmen (inkl. KMU und EPU) haben laut Laga allerdings keine Datensicherung. „Es ist verständlich, dass das im Geschäftsalltag nicht das wichtigste Thema ist. Aber ein Datenverlust kann schnell existenzbedrohend sein!“ Was den Datenschutz angeht, werden Unternehmen mit der neuen Datenschutzgrundverordnung bald noch stärker in die Pflicht genommen. „Die größte Änderung ist, dass die Unternehmen künftig selbst melden müssen, welche Daten sie verarbeiten und in welcher Form.“ Nähere Infos dazu findet man auf www.wko.at/datenschutz. „Transparenzvorschriften sind gut und richtig. Es stellt sich aber schon die Frage, ob Missbrauch im großen Stil damit wirklich verhindert werden kann oder ob es primär ein zusätzlicher Aufwand für jene ist, die ohnehin keine bösen Absichten haben.“ Womit man wieder bei der Frage der richtigen Dosis wäre – nicht immer einfach zu beantworten.

Das steirische Ressourcenmanagement auf Facebook (Auswahl):

Auf Youtube:

Nähere Infos zur Datenschutzgrundverordnung:

Die wesentlichen Änderungen inkl. Checkliste

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