Aufmerksamkeit erregen durch Schreien

Attention, Veränderung im Anmarsch!

Leben & Gesellschaft

Egal ob bei der Mülltrennung oder bei der Lebensmittelverschwendung: Aufmerksamkeit ist der wichtige erste Schritt auf dem Weg zu einer Veränderung. Aber wie erreicht man eine nachhaltige Veränderung?

Die Forscherinnen Ulrike Gelbmann und Martina Zimek von der Universität Graz setzen orientieren sich dabei an der Werbung bzw. dem AIDA-Modell.

  1. Auf der ersten Stufe (Attention) finden sich jene, deren Aufmerksamkeit man überhaupt erst erregen muss.
  2. Auf Stufe zwei (Interest) sind alle, die schon etwas Interesse entwickelt haben, die man in erster Linie mit Informationen versorgen muss.
  3. Auf Stufe drei (Desire) spricht man Menschen an, die schon erste Aktivitäten setzen und Abfallvermeidung konkret in ihr Leben einbinden möchten. Hier greifen Abfall- bzw. Koch-Tagebücher oder Aktionstage, bei denen sie an der Organisation mitarbeiten können.
  4. Und auf der vierten Stufe (Action) – der Handlungsebene – sind Menschen bereits von sich aus proaktiv und versuchen selbst wiederum andere zu motivieren.

Aufmerksamkeit erregen durch Schreien

Wer am lautesten schreit, dem hört man zu? Ganz so einfach ist es nicht …
(Credit: Gem & Lauris RK on Unsplash)

Veränderung ermöglichen: „Motivieren, es selbst zu wollen“

„Doch auch hier zeigt sich, dass die gesetzten Maßnahmen dieser Ebene meist nicht bei Empfängern auf der Attention-Ebene ankommen“, so Gelbmann. Nicht nur hier liegt die Die Herausforderung liegt und richtigen Zuordnen der Zielgruppen, um sie dann mit der passenden Maßnahmen zu erreichen. „Ich darf nicht versuchen, sie zu zwingen, ich kann sie höchstens motivieren, es selbst zu wollen. Und man muss „ihre“ Sprache sprechen, sodass man sie beim Herzen erwischt“, sagt Zimek. Gemeint ist die intristische Motivation, die aus der Aufgabe heraus entsteht und Ziele hat wie etwa Verantwortung übernehmen oder persönliches Wachstum erreichen. Kein leichter Weg. „Die Leute jeweils auf die nächsthöhere Stufe hinaufzuheben ist aufwändig. Der Pfad vom Denken zum Handeln wird steiler und schmäler, man muss immer direkter auf die jeweilige Zielgruppe zugehen, der Anreiz muss immer stärker werden“, ergänzt Gelbmann. Wie solche Maßnahmen konkret aussehen können, wurde von den Forscherinnen am Beispiel der Lebensmittelverschwendung und dem Projekt „Restl-Festl“ verdeutlicht.

Sogar die Gastronomie ist auf den Zug aufgesprungen: Im Tradtitionsbetrieb Laufke wird seit kurzem einmal in der Woche ein sogenannter Restl-Brunch angeboten, bei dem alles aufgegessen wird, das die Küche noch so hergibt.

Fazit: „Man muss es wie Arnold Schwarzenegger beim Klimaschutz sehen: Es muss sexy und cool sein, sodass man gar nicht anders kann, als danach zu handeln; das gilt auch für Abfallvermeidung.“

Ein Beispiel aus Skandinavien für erfolgreiche Bewusstseinsveränderung:

  • 600 Haushalte trennten den Müll in 6 verschiedenfarbigen Säcke und warfen alles in nur eine Tonne. Das Ergebnis: Je nach Versuchsgebiet konnten 20 bis 40 Prozent der Behälterleerungen eingespart werden.
  • Auch in der Steiermark gibt es Ansätze für intelligente Mülltonnen.
  • Mehr dazu im Artikel Zur Mülltrennung verführt