DIE KREISLAUFWIRTSCHAFT ZIEHT IMMER GRÖSSERE KREISE

Editorial

Daniela Müller-Mezin

Daniela Müller-Mezin

Mit den Themen Recycling und Ressourcenmanagement beschäftigen sich die Unternehmen des Entsorgungs- und Ressourcenmanagements nicht gerade erst seit gestern. Hier wurden über viele Jahre Systeme entwickelt, Kompetenzen aufgebaut, neue Technologien eingesetzt und Innovationen umgesetzt. Das Image der Branche hat sich im Laufe der Zeit vom „Mistkübel-Entleerer“ zum Ressourcenmanager gewandelt – ebenso wie sich die Werte unserer Gesellschaft in diesem Zeitraum massiv gewandelt haben. Konsum ist (vielen) längst nicht mehr das höchste Gut – das Bewusstsein, was uns wirklich wichtig ist und was „gut“ ist, hat sich verändert.

Nachhaltigkeit: Endlich die „Therapie“ starten

Dass wir uns dem Thema Nachhaltigkeit in allen Bereichen aber nicht nur intellektuell zuwenden müssen, sondern dass wir nach der Diagnose – Veränderung unseres Lebensstils angesichts des Klimawandels tut not – auch die Therapie folgen lassen müssen, diagnostizierten Experten wie Zukunftsforscher Peter Zellmann, Architekt Markus Pernthaler und Fair-Fashion-Pionierin Lisa Muhr mit vielen interessanten Details am Runden Tisch von ROHSTOFF.

Ob nur kurzer Trend oder langfristiger Wandel sei dahingestellt, aber „Verzicht“ und Minimalismus sind in Sachen Lifestyle derzeit sehr angesagt.

Und: Bei regionalem Obst und Gemüse scheinen sich Alternativen zum allzeit verfügbaren Überangebot der Supermärkte tatsächlich zu etablieren – dank jener wachsenden Zahl an Menschen, die bereit sind, für Nachhaltigkeit auch einen größeren Aufwand auf sich zu nehmen.

Der Wertewandel ist aber auch in vielen steirischen Unternehmen spürbar: Das reicht von den Beispielen der grünen Innovationskraft in der Steiermark bis in die verschiedenen Branchen, die sich Nachhaltigkeit teils viel kosten lassen, aber ihren Wert um so mehr schätzen (siehe Wordrap mit Unternehmern).

Plastik: „das Falsche perfekt gemacht“

Wie aber bewerten wir Plastik? Ein heiß diskutiertes Thema. Hier wird ein Material dämonisiert, obwohl es – richtig verwendet und recycelt – auch im Sinne der Umwelt sinnvoll einsetzbar ist, wie Michael Braungart, renommierter Experte und Erfinder des „Cradle to Cradle“-Gedanken, sagt. Warum wir „das Falsche perfekt gemacht haben“ und wie man im Sinne der Kreislaufwirtschaft besser arbeiten könnte, hat er uns für das ROHSTOFF-Magazin erklärt.

Nicht immer lassen sich Werte mit freiem Auge erkennen. Selbst in Industrieschlacken und im Abwasser finden wir heute dank Forschung und Technologie Rohstoffe, die es wert sind, erneut eingesetzt zu werden. Die Kreislaufwirtschaft zieht eben immer größere Kreise. Aber sie hat auch noch großes Potenzial. Dazu braucht es mehr denn je das ehrliche Bekenntnis zur Nachhaltigkeit – wahrscheinlich unser größter Wert.

Eine spannende Lektüre mit unserer aktuellen ROHSTOFF-Ausgabe wünscht Ihnen
Daniela Müller-Mezin
Obfrau der Fachgruppe Entsorgungs- und Ressourcenmanagement
in der Wirtschaftskammer Steiermark